Samstag, 15.12.2018
Record of the Week

PeterLicht “Wenn wir alle anders sind”

PeterLicht
“Wenn wir alle anders sind”
(tapete records)

Man hatte ihn nicht mehr wirklich auf dem Schirm, er war seit ein paar Jahren vom Radar verschwunden. Aber nun meldet sich PeterLicht zurück – aber, hey, was sollen die Floskeln?
PeterLicht ist ein unaufdringlicher, aber großer Meister darin, dem Volk aufs Maul zu schauen und es mit seinen eigenen Waffen zu schlagen beziehungsweise sanft zu streicheln: Seine „Emotionale / Hört die Signale“, die rein zufällig starke Ähnlichkeiten mit einem gewissen marxistischen Kampflied aufweist, ist der Protestsong für „Borderliner aller Länder“, die mit den „hinterfotzigen Systemen“ hadern und wissen, dass Ironie längst over ist. Denn obwohl PeterLicht – oder früher: Meinrad Jungbluth – aus Irritation zuweilen dem komischen Fach zugeordnet wird, ist er im Grunde immer total ernst. Zu ernst vielleicht für manche.

Die neue Platte „Wenn wir alle anders sind“ öffnet Türen und Herzen, ganz ernsthaft: „wir haben etwas falsch gemacht, wir müssen uns wohl umentscheiden“, singt PeterLicht zum Discobeat, begleitet von affirmierenden Hintergrundstimmen, „ja!“, „genau!“ So leicht könnte es sein: zuzugeben, dass man sich „vertätowiert“, „verföhnt“, „verwählt“ hat – und einfach nochmal anfangen.
Ist aber nicht so einfach, das weiß PeterLicht auch, schließlich hat er sich „abgemüht“ und versucht, die „Menschen“ zu verstehen, sie manchmal sogar „angefasst“: Der Hit des Albums klingt wie ein Song von The Cure oder New Order in ihren jeweils fröhlichen Versionen und wird diejenigen begeistern, die mit PeterLichts AutoTune-Experimenten nichts anfangen können. Wobei diese sparsam und nur in wenigen Stücken eingesetzt sind: Das Anti-Authentische, Karikierende von AutoTune ist für PeterLicht das Sinnbild unserer optimierungswahnsinnigen Instagram-Gegenwart, die sich auch im lässig dahinschlendernden „Candy Käsemann“ spiegelt: „Wenn es mir gut geht / ist alles gut“ – Lagebestimmung durch Redundanz, probates Mittel der Zeit.
Die kleine, aber echte Freude des prekär lebenden Künstlers bricht sich im „Kontolied“ Bahn: „Gute Nachrichten vom Konto / es ist was drauf / und das ist gut so“ – das ist es in der Tat, und man soll es selbstverständlich thematisieren!
Ja, die Welt zu besingen ist eine gesellschaftskritische Tat, wie es in den Linernotes heißt. „Wenn wir alle anders sind“ ist so real wie das hinterfotzige System, in dem wir leben.

PeterLicht live
22.10.2018 Köln – Gloria
24.10.2018 Hamburg – Kampnagel
24.11.2018 Essen – Zeche Carl
13.12.2018 Konstanz – Kulturladen
14.12.2018 Schorndorf – Manufaktur
geht weiter …
2. Tourblock im Zeitraum März – Mai 2019

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