Panda Bear & Sonic Boom „A ? of WHEN”

Panda Bear & Sonic Boom
„A ? of WHEN”
(Domino Records)
Plattencover sind eine in den Popmusikkulturen eigens entwickelte Form zwischen Kunst und Kommerz; nicht wenige von ihnen haben selbst Popgeschichte geschrieben. Immer abhängig von den analogen oder digitalen Formaten und ihren technischen sowie finanziellen Möglichkeiten.
Beim klassischen LP- und CD-Cover sehe ich eine klare Linie vom in vielerlei Hinsicht legendären Spacemen 3-Cover und -Album „Recurring“ aus 1991 (LP/CD) über die letzten Alben von Sonic Boom – „All Things Being Equal“ 2020 und das dazugehörige Remix-Album „Almost Nothing Is Nearly Enough“ 2021 – und des Duos Panda Bear/Sonic Boom – „Reset“ 2022 und das sehr tolle Ebenfalls-Remix-Alben/EPs „Reset in Dub“ (Adrian Sherwood) und „Reset Mariachi“ 2023. Kunterbunte, purzelnde, synthetisch-psychedelisch-drogige Zahlen, Zeichen, Grafiken strahlen uns entgegen – auf „A ? of WHEN“ geschaffen von Julian House. Im Sound weit über Sonic Booms Bands Spectrum und Spacemen 3 (mit Jason Pierce aka Spiritualized), deren Fan Panda Bear von jeher ist, hinaus in Richtung von Panda Bears Solo-Projekten, Animal Collective und – unüberhörbar „Pet Sounds“ und „Smile“ der wenig surfenden als eher komplex schlurfenden Seite der einstigen Beach Boys. Das war vor Dekaden.

Panda Bear & Sonic Boom (Credit Ian Witchell)
Nun haben Panda Bear aka Noah Lennox und Sonic Boom aka Pete Kember wunderbar nachgelegt und ihren kleinen, knalligen und doch gechillten Kosmos ausgebaut. Aber Obacht, der Bär und der Knall sind nicht etwa niedlich, naiv, kindisch oder weltfremd. In allen ihren Andeutungen, Klängen und Welten wird sich hier schon auch mit dem unschönen Hier und Jetzt auseinandergesetzt: Depression trifft Nicht-Nachhaltigkeit trifft Schikanierungen. Statt drogenrausgeschossenen Eskapismus zu betreiben, lassen Panda Bear und Sonic Boom ihre Sounds und Songs voller Ideen, Gedanken und Gefühlen eher beinahe implodieren. Verwunschen scheint sie sogar, diese weggedriftete, schillernde neue Weltmusik zwischen Mexiko, Portugal, USA, UK und dem ganzen großen Weltall (ohne Satelliten und Elon Musks), „Lucky Charm“ weist den glitzernden Milchstraßenweg. Durchgeknallt-schöne Harmonie voller Disharmonien und liebevoll schreiender Farben, Bilder, Instrumente, Melodien und Lyrics.
Das Cover kann auf LP, CD, MC (!) und Download und ausdrücklich nicht über Streaming-Dienste bestaunt werden – ähnlich erging es schon der Vorab-Single „Graveyrad/Lucky Charm“ zum Record Store Day. Das Duo hat sich offenbar von bestimmten Techniken und aus großen Plattformen verabschiedet. Die sympathische Kampagne „I’m unfollowing Panda Bear & Sonic Boom“ ist nur scheinbar paradox: Denn Konnektivität, Gemeinsamkeit und Zusammensein sind den beiden sehr grundlegend, glaubt man den beiden. Listening Partys sollen offenbar neben den üblichen Club- und Festivalauftritten Leute zusammenbringen und gegen Isolierung anwirken. Dazu passt die luzide Indiemusik auf „A ? of WHEN“ bestens, höre den tanzbaren Titelsong, auf dem eigentlich nur die Blockflöten fehlen, das entrückte „Never Givin‘ in“, das soulful „Be The Bridge“ oder das mushroom-countryeske „Somethin‘ That Lasts“. Lasst uns alle nicht unbedingt billige Drogen, sondern in die Arme nehmen und die Welt zurückholen, inklusive dem Extraterristrischen. Panda Bear und Sonic Boom haben schonmal damit angefangen.








