Mittwoch, 19.12.2018
Record of the Week

Amnesia Scanner „Another Life“

Amnesia-Scanner---Another-Life-(PAN-96)Amnesia Scanner
„Another Life“
(PAN)

Stress und Überforderung versus postkoitale Entspannung. So wie sich die Musik von Amnesia Scanner nicht auf den einen Sound festlegen lässt, löst sie in uns auch nicht nur die eine Reaktion aus, sondern eine ganze Palette scheinbar widersprüchlicher Gefühlszustände und Sehnsüchte: Angst, Begierde, Freude, Skepsis, Neugierde, Übersättigung – you name it, we feel it.

“Another Life” ist ein wilder, ein unberechenbarer Ritt, bei dem im einen Moment Atari Teenager Riot im Sattel zu sitzen scheinen, im nächsten die Digital-Popper des Janus Kollektivs, ein Codeine getränkter Rapper mit Zungenschlag, aber auch schüchterne Wiedergänger von Industrial-Typus Marke Nitzer Ebb und Front 424 – oder, zu Beginn des Albums im Stück “AS Symmetribal“ ein Muezzin, der zum Gebet in die Moschee ruft.

Das andere Leben des Amnesia Scanner ist die Vereinigung der Leben der finnischen Performancekünstler und Musiker Ville Haimala and Martti Kalliala, ein strictly digitales Hybrid (selbst die realen Stimmen kommen einem nie echt vor), klanglich mindestens so sehr gebrochen und gestört wie eben der ganz normale Alltag von uns allen im Internet aussieht – auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen und uns immer wieder mit (immer kürzer werdenden) Netzpausen beruhigen. Es ist der perfekte Soundtrack für unsere eingeschränkten Aufmerkamkeitsphasen und das intensiv und drängend gefühlte Bedürfnis nach Reizen, ja nach Reizüberflutung. Denn erst wenn man so richtig erschlagen wird, wird das Spektakel dem Signet Digital Pop gerecht. Aprop Spektakel, ein bisschen muss man bei dem Chaos, das Amnesia Scanner über, unter und um uns herum anrichten tatsächlich auch an die Situationisten um Guy Debord denken – und schon lichtet es sich und alles ist plötzlich klar und geordnet, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Ein fantastisches Album.
Thomas Venker

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