Samstag, 23.02.2019
Record of the Week

Maya Jane Coles / Nocturnal Sunshine

Maya Jane Coles “Waves & Whirlwinds”
Nocturnal Sunshine “Foundation / Heroes” 
(I/AM/ME)

Maya Jane Coles’ Kreativität und Tatendrang sind ungebrochen: Ein gutes Jahr nach ihrem letzten Album „In Flight“ veröffentlicht die britisch-japanische DJ, Remixerin und Produzentin auf ihrem eigenen Label I/AM/ME gleich zwei EPs. „Waves & Whirlwinds“ als Maya Janes Coles und die 2-Track-Platte „Foundation / Heroes“ unter dem Projektnamen Nocturnal Sunshine, den Coles für ihre dunklen Dubstep-Variationen nutzt. Der Titeltrack der Coles-EP öffnet sich zögerlich mit zartem Synthie-Harfenpluckern, das harmonisch über tiefe Wellen gleitet, kombiniert mit Coles’ charakteristischer Art, Percussion einzusetzen: House-Beats fließen mit den Kick-Drums zusammen, der Flow kommt langsam, unaufdringlich, fast mit gebremstem Schaum, aber unaufhaltsam. Auch die Vocals sind eher zurückhaltend, auf „Waves & Whirlwinds“ gibt es keine Gastsänger_innen wie bei früheren Platten, Coles sorgt allein für Akzente. In „Don’t Leave“ lebt Coles sowohl ihre abstrakte als auch die poppige Seite aus, der Track geht schnell in medias res, sprich auf den Dancefloor: der tiefe, dunkle Bass kontrastiert mit bouncenden Synthie-Sounds und clap-your-hands-Aufforderungen, hier sieht man die Ibiza-Crowd förmlich vor sich (eine Vorstellung, die mir sonst schwer fällt: Maya Jane Coles als Headliner bei großen Ibiza-Parties wie ANTS – aber auch das macht sie). Auch „Other Side“ hält sich nicht mit langem Intro auf, ist aber subtiler, leichtfüßiger, mit engelsgleichen Vocals vor dunklem Hintergrund entsteht eine frickelige Spannung, die sich im geisterhaften „Visionary“ (mit funky Bass!) hält und im zersplittert-trägen Downtempo-Stück „Isolate“ langsam auflöst. Mit diesen fünf Tracks stellt Coles ihre Meisterinnenschaft in Struktur und Dramaturgie unter Beweis: ein DJ-Set im Miniaturformat sozusagen, aber definitiv mehr als nur ein Appetizer für ein nächstes, „langes“ Album.

Die beiden Nocturnal-Sunshine-Tracks sind experimenteller, düsterer, unheimlicher als die Coles-EP, technoider als Nocturnals Full-length-Album von 2015. Weniger introspektiv, dafür selbstbewusster, in-your-face: Wummernder, dräuender Dubstep, viele Stimmen, urban und nervös – Soundtrack für wirre Nachtfahrten, an deren Ende vielleicht der Club auftaucht, in dem Maya Jane Coles auflegt.

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