Record of the Week

Balcony’s Paradise (Half A Cow Records)

Balcony’s Paradise
„Balcony’s Paradise“
(Half A Cow Records)

„Dies ist keine Studioproduktion und kein weißes Album. Es sind 35 Minuten, in denen man aus dem Alltag flieht…“
(aus dem Presseinfo zu „Balcony’s Paradise“)

Schon okay, wenn man die Bälle ein bisschen flach hält und nicht gleich von Meisterwerk spricht, wenn man ein Album rausbringt – aber Lorenz O‘ tool von Chuckamuck und sein australischer Kumpel Jeremy Tayler müssen ihr Licht wirklich nicht so betont bescheiden unter den Scheffel stellen. „Balcony’s Paradise“ klingt wie eine (in der Tat 35 Minuten lange) Lagerfeuersession, in der man ein paar Lieblingslieder klampft, während die Freund:innen mit ihren Bieren anstoßen und fröhlich mitsingen. Besagte Session fand allerdings nicht vor einer Grillhütte in der Nordheide statt, sondern 2019 in Victoria, Australien, wo Tayler wohnt, wenn er nicht gerade in Berlin abhängt oder mit Chuckamuck auf Tour ist. Ein Häuschen an der Küste, ein Balkon mit Blickrichtung Tasmanien: das war das wahrlich paradiesische Setting, dessen relaxte Vibes aus jedem Ton dieser Platte schwingen. Zwitschernde Vögel im Hintergrund, Unterhaltungsfetzen und Geräusche von Autos und Rasenmähern verleihen „Balcony’s Paradise“ eine hörspielähnliche Stimmung, nur dass kein Klang mühsam künstlich erzeugt werden musste. Alles passierte einfach und durfte passieren, hang loose. Die Instrumente wurden untereinander getauscht und mit einem Vierspurgerät aufgenommen, mit wenigen Overdubs und einem kurzen Auftritt von Taylers Mutter an der Violine. That’s it.

Die Songauswahl – ja klar, in einer so lässigen Atmosphäre zwingt man keine neue Eigenkompositionen aus sich ‚raus, sondern bedient sich an dem, was es schon gibt – ist klassisch mit Überraschungen: So gibt es ein schrammeliges Cover von Johnny Cashs „Five Minutes“, eine sehr abgehangene, fast schläfrige Version von „True Love“ (Toots and The Maytals). Die Highway-Szenerie von Merle Haggards „White Line Fever“ wird entspannt an den Strand versetzt, während Lorenz und Jeremy in „Man In Me“ Bob Dylans Nichtgesang äußerst authentisch nachempfinden. Auch die Beatles und Townes Van Zandt werden gecovert – und ja, „Balcony’s Paradise“ mag kein „White Album“ sein, aber genau die Dosis an Sonne und Entspannung, die man gerade jetzt bitter nötig hat.

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