Record of the Week

Flying Lotus „Yasuke“

Flying Lotus
„Yasuke“
(Warp Records)

In seiner Filmmusik zu LeSean Thomas‘ Anime-Serie über einen Schwarzen Samurai im mittelalterlichen Japan verbindet Steven Ellison visuelle Obsessionen mit musikalischer Vielfalt. 
Anime sind in Flying Lotus‘ ästhetischem Universum schon länger von Bedeutung. Die kürzlich gegründete Filmabteilung seines Labels Brainfeeder, zahlreiche Filmmusik-Projekte und sein Ausflug ins Regiefach mit dem Animationsfilm „Kuso“ sind klare Belege seiner cineastischer Begeisterung. Ellison nennt Shinya Tsukamotos düsteren Cyberpunk-Film„Tetsuo: The Iron Man“ als einen seiner wichtigsten Einflüsse, und erst vor kurzem steuerte Flying Lotus Musik zu zwei Anime-Produktionen bei: zum Blade Runner 2049 Anime Prequel-Kurzfilm und der Serie „Carole & Tuesday“.

„Yasuke“ ist eine neue Netflix-Serie, die vom japanischen Studio MAPPA animiert wurde und eine wilde Story aus einem mysteriösen historischen Fall um einen Schwarzen Samurai während der Shogunats-Ära bastelt. Obwohl der Protagonist auf einer realen Figur aus dem 16. Jahrhundert basiert, ist die Serie nicht auf ein mittelalterliches Milieu beschränkt. Der sich gegen alle Regeln und Konventionen stemmende Held ist offensichtlich mit allen Zeitaltern kompatibel – und mit Flying Lotus‘ künstlerischem Ansatz: er wollte mit seinem Soundtrack bewusst vermeiden, was man von einem Producer mit HipHop-Wurzeln erwarten würde, sagte er kürzlich in einem Interview.

Dementsprechend finden sich im „Yasuke“-Score weder massive Beats noch Spuren seiner Fusion-, Prog- und Jazz-Vorlieben. Auch japanische Stereotypen werden weitgehend umschifft, wenn auch die Flöten und Holz-Percussion im Track „Your Lord“ ein wenig ostasiatische Atmo heraufbeschwören. Die Tracks schwelgen in Vintage-Sounds, von blubbernden Moog-Klängen bis hin zum Breitwand-Sound à la Vangelis oder John Carpenter. Während der Großteil von „Yasuke“ von Synthesizern geprägt ist, leiten „echte“ Trommeln die Kampfszenen ein, wie die dröhnenden Pauken in „Fighting Without Honor“ oder das monotone Trappeln zu schwindlig machendem Elektro-Geschwirre in „War Lords“. Hip-Hop spielt in diesem Score kaum eine Rolle , ab und zu schaut er kurz herein: „Mind Flight“ gipfelt in Trap-Hi-Hats, „Survivors“ ist ein fast schon loungiges Boom-Bap-Stück, die einzige Rap-Einlage findet sich in „African Samurai“, wenn sich Denzel Curry gegen einen reduzierten Beat auflehnt.

Apropos Gaststars: Auch die sind – anders als in Flying Lotus‘ sonstigen Produktionen – selten auf „Yasuke“. Im vorab veröffentlichten soft-souligen „Black Gold“ singt Lotus‘ Buddy Thundercat, Blank-Blue-Sängerin Niki Randa ist in „Hiding in the Shadows“ zu hören. That’s it. 
Der hybride Genre-Ansatz von „Yasuke“ kommt Flying Lotus musikalischem Stilmix entgegen – oder umgekehrt. Funktioniert jedenfalls sehr gut.

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