Record of the Week

Pantha Du Prince ”Conference Of Trees”

Pantha Du Prince
”Conference Of Trees”
(Modern Recordings)

Auf dem letzten Album der britischen Band Pulp findet sich der Song “The Trees”, eine düster-resignative Liebesballade, in denen die Bäume zu stummen Zeugen und Ritualopfern einer Beziehung in Form von eingeritzten zunächst Liebesbekundungen und später Manifesten der Endlichkeit der Gefühle werden.  Wobei Jarvis Cocker im Chorus das lebensstiftende Wunder der Photosynthese dem Drama des Protagonisten gerecht werdend bricht: “Yeah, the trees, those useless trees produce the air that I am breathing. / Yeah, the trees, those useless trees; they never said that you were leaving.“

Hendrik Weber führt auf seinem sechsten Album als Pantha du Prince nichts dergleichen im Schilde. Ihm geht es um eine ehrliche Würdigung der Bäume und Wälder als eine uns nicht verständliche aber hochentwickelte Zivilisationsform, deren Sprache wir uns aneignen sollten, um die dort auf uns wartenden Dialogangebote zu verstehen.

Man kann das in Zeiten des Klimawandels etwas arg zeitgeistig bemüht finden, die eigene künstlerische Müdigkeit mit dem Funktionalitätsdogmen der Welt esoterisch zu wenden, man kann es aber auch erstmal als Setting-Entscheidung respektieren und offen hinhören, was Weber und seine vier Mitmusiker (Håkon Stene, Bendik Hovik Kjeldsberg, Friedrich Paravicini und Manuel) auf dieser Basis entwickeln. Denn wer die Genese von Webers Soundkosmos verfolgt hat, der weiß, dass er ein echter Forscher und Klangherausforderer ist. Auf Conference Of Trees”schlägt sich das zunächst im Instrumentarium nieder, das neben Cello, Klanghölzern und Glocken diesmal auch selbstgebaute Insturmente und natürlich elektronisches Equipment umfasst.

Dramaturgisch wird das Album von drei Songs zusammen gehalten, die alle über zehn Minuten lang sind: das Eröffnungsstück “Approach in a Breeze”, das sehr hell einladend den Weg in den Wald sozusagen als Verlockung auslegt; “Supernova Space Time Drift,” das eine Lynch`sche Twin-Peaks-Klangreise aufmacht, jene Art abstrakter Clubtrack, die kaum zu fassen ist in Ihrer Verspieltheit; “Lichtung”schließt das Album mit einem Song ab, der wie ein Radiohead Song ohne Radiohead anmutet, oder anders gesagt: ein unpathetisches Pathosmanifest. Um diese Pole heraum brodelt und diskutiert es im Wald, mal meditativ zurückgenommen, mal hektisch ausgestellt, zu Zeiten resigniert, oft aber auch euphiorisch, ganz so, wie man sich das in einem Wunschparlament vorstellen würde.

Die Besprechung ist ursprünglich in der Printversion der Kölner Stadtrevue erschienen.

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