Montag, 25.03.2019
Record of the Week

Selling „On Reflection“ (City Slang)

Selling
„On Reflection“
(City Slang)

Bis dato galt Derwin Dicker (alias Gold Panda) als musikalischer Einzelgänger. Anders als Jas Jas Shaw, der gemeinsam mit James Ford das Dancemusic-Duo Simian Mobile Disco bildet und es gewohnt ist, seine Ideen im kreativen Austauschprozess mit einem gleichwertigen Partner zu entwickeln, schöpft Dicker seine Musik aus Reisen in seine melancholische Innenwelt. Irgendwie ist es Jas aber gelungen, ihn trotzdem in seine zum Studio umgebaute Scheune in der englischen Grafschaft Kent einzuladen, um bei viel Tee, frischen Brot und Käse neue gemeinsame Horizonte abzustecken.

Mit „On Reflection“ probieren sie offensichtlich viel aus, durchleben dabei eine ganze Palette an Gefühlszuständen, von kontemplativ über unruhig zu expressiv und wirken dabei mal verschüchert, mal bescheiden, und sogar auch mal richtiggehend aufdringlich. Der Opener „qprism“ steckt die zerrissene Überforderung, die das mit sich bringt, gleich mal aufs Maximale ab. Und in „mirror can only lie“ werden die Spuren (dem Titel gerecht werdend) leicht versetzt angeordnet, was eine seltsam schwingende Reibung mit sich bringt.

Doch auch der Clubkontext, der beiden nicht fremd ist, kommt nicht zu kurz. „dicker’s dream“ wärmt pulsierend die Tanzfläche auf, gleichermaßen einladende Geste wie süßsaure Kunde von den Abgründen der Nacht. Diese Dualität spitzt sich im Nichtbreak-Break des Tracks zu, das nach einem Drittel den beinahe neun Minuten langen Erzählbogen irritierend leblos runterfährt (eine sich am Ende wiederholende Geste), um ihn danach passend langsam wieder hochzufahren.
Das schönste Stück des Albums ist aber „phone call from the future“, eine softe Morsecodebotschaft aus einer Welt, in der man von Mandarinen träumt.
Thomas Venker

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