Record of the Week

THOMAS KÖNER “Motus” (Mille Plateaux)

THOMAS KÖNER
“Motus”
(Mille Plateaux)

Sucht man die allwissende, kollektivierte Plattensammlung Discogs auf, so findet man aktuell 23 Alben von Thomas Köner verzeichnet, zumeist veröffentlicht auf in Genrezusammenhängen signifikant klingenden Labels wie Touch Barooni, Denovali, Mille Plateaux; hinzu kommt das mit vier Alben überschaubarere aber nicht minder wirkungsgewaltige Porter Ricks Projekt das Köner zusammen mit Andy Mellwig unterhält und von dem zuletzt 2017 das Album “Anguilla Electrica“ erschien.

Nach 16 Jahren Absenz kehrt Köner nun als Solokünstler mit “Motus” zu Mille Plateaux zurück, dem jüngst nach einer Insolvenzbedingten mehrjährigen Pause reaktivierten, schon immer “größer als Musik”-Label des Frankfurter Theoretikers und Lebemanns Achim Szepanski. Und man kann sich keinen passenderen Ort für seine Klanggforschungen vorstellen.
Mit seiner Musik erforscht Köner, der auch im Bereich der Soundklangkunst sehr aktiv ist (unter anderem arbeitete er mit Max Eastley und Yann Beauvais für Installationen zusammen), den individuell-menschlichen Körperraum gleichermaßen wie größere natürliche und soziale Raumentwürfe. Seine Stücke sind Bewegungsstudien, sensible Beobachtungen der multiplen Takte, die unsere Leben bestimmen, ohne diese als Taktmaß aufzugreifen – denn Köner interessiert sich nicht für Melodien und Rhythmen, sondern konzentriert sich ganz und gar auf den Sound.

Zunächst einmal könnte man simpel attestieren, dasss nichts, aber auch gar nichts an “Motus” anders klingt, als man es erwartet hätte. Das Album reiht sich perfekt ein in das Gesamtwerk des Produzenten als auch in den State of the Art von Drone, Noise und Ambient, geradezu produziert um auf Szenefestivals wie Unsound, CTM und Atonal aufgeführt zu werden. Diese ästhetische Wirkungszielgenauigkeit ist Köner natürlich allzu bewusst, nicht von irgendwoher tragen seine Stücke Titel wie “Extension”, “Cogitation” und “Potential” und kommen mit detailierten, im Subtext der Linernotes kommunizierten Bewegungs- und Stimmungszuschreibungen (Fortschritt, Tumult, Revolution, Angriff, Selbstmord…) daher.
Man könnte also sagen, Überbau und Klang gehen fast schon zu gut zusammen – doch das wäre natürlich eine absurde Wendung der Geschehnisse. Denn “Motus” ist letztlich vor allem eins: eine jederzeit hochpräzise und dennoch verblüffend freie Reise in den Klangraum des Thomas Köners.
Thomas Venker

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