Record of the Week

Albertine Sarges “The Sticky Fingers”

Albertine Sarges
“The Sticky Fingers”
(Moshi Moshi)

Woran denkt man(n) bei „sticky fingers“? Genau, an die Rolling Stones und ihr Album von 1971, das mit dem Reißverschlusscover von Andy Warhol und Rock-Klassikern wie „Brown Sugar“ und „Bitch“ – eine sehr virile Angelegenheit also. Diese quasi automatische Konnotation feministisch umzudeuten – die Formulierung taucht auch im Song „The Girls“ auf –, ist nicht der einzige schlaue Move auf Albertine Sarges‘ Debütalbum mit ihrer Band The Sticky Fingers.

Die in Berlin lebende Musikerin spielte schon mit Holly Herndon, Kat Frankie und dem italienischen Synthie-Duo Itaca, schrieb außerdem für verschiedene Magazine und organisierte Sessions mit befreundeten Berliner Musiker:innen. Das Session-hafte kommt in den acht Tracks immer wieder durch: Gelächter und Gesprächsfetzen sind zu hören, überhaupt scheint während der Aufnahmen beste Stimmung geherrscht zu haben. „Sticky Fingers“ ist einerseits von unglaublicher Musikalität in punkto stilistischer Varianz und instrumentalem Können geprägt, gleichzeitig von viel Humor. Auf der Single „Free Today“ zitiert Sarges in Spoken-Word-Manier Autorin Sara Ahmed („Living A Feminist Life“), fordert fröhlich dazu auf, den BH im Schrank zu lassen („let them hang!“) und sprechsingt über ihre Faszination mit feministischer Theorie. „The Girls“ feiert Solidarität unter Freund:innen, das auf Deutsch gesungene „Stille“ handelt von der Schwierigkeit, mit einem geheimnisvoll schweigenden Partner umzugehen.

Die Lyrics sind aber nur der eine, die Musik der andere, ebenso beeindruckende Part: Von bassbetonten Postpunk-Referenzen über Soul und Jazz reicht die Bandbreite, genüsslich schwelgt Sarges in den unterschiedlichsten Sounds, die sie mit ihren Vocals akzentuiert, kontrastiert, moduliert. „Fish“ zum Beispiel überführt den eckigen Frühachtziger-Wave-Style von Bands wie The Waitresses lässig in die Neuzeit, „Stille“ könnte auch gemeinsam mit Barbara Morgenstern entstanden sein. Die Stücke wechseln mittendrin schon mal Beat und Richtung und mit „Beat Again“ ist sogar eine berührende Ballade darunter. Das Unerwartete einfach zu machen und es geil klingen zu lassen ist Albertine Sarges‘ Ansatz – wer denkt da noch an die Stones?

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