Freitag, 20.09.2019
Record of the Week

BARKER „Utility“ (Ostgut Ton)

BARKER
„Utility“
(Ostgut Ton)

Sam Barker, der gemeinsam mit Ned Beckett und Lara Golz das Label Leisure System betreibt, das eine monatliche Residency im Berghain unterhält und auf dem neben Beckett und Barker unter anderen noch Dopplereffekt, Rob Clouth, Hubie Davison und JakoJako veröffentlichen, verortet seine Musik im ewigen Spannungsfeld aus Alltagsschmerzen und Vergnügungssucht. Techno steht bei ihm für einen Möglichkeitsraum, der einen die Verletzungen, die einem die Gesellschaft zufügt, für einen Augenblick (oder auch mal drei Tage) vergessen lässt – und das nicht singulär auf sich alleine gestellt, sondern im Kollektiv (sub)kultureller Zusammenhänge.

Die Tracks auf „Utility“ zeugen über die Betitelung hinaus („Paradise Engineering“, „Models Of Wellbeing“, „Hedonic Treadmill“…) von dem solchen Überlegungen angemessenen Reflexionsniveau ihres Produzenten, für den die Räume, die er mit seiner Musik bespielt, und die Leute, die er mit ihr stimuliert, keine abstrakten Kategorien sind, sondern emphatisch aufgeladener Bestandteil seiner eigenen Lebenswelt. Egal ob ein Stück nun eher abstrakt-forschend, verführerisch-lockend oder ravig-stimulierend angelegt ist, sie alle eint die Unmenge an kleinen Bewegungsimpulsen, die Barker in ihnen anlegt (Melodieverläufe, Akkordfolgen, Dubeffekte, Soundpartikel), die einem das Gefühl schenken, es gäbe nicht nur den einen richtigen Rhythmus im Leben, sondern derer viele. Das letzte Stück „Die-Hards Of The Darwinian Order“ wirkt diesbezüglich wie der perfekte Schlusskommentar und rumpelt das Album schön psychdelisch über neun Minuten kaputt zu Ende. Was gut dazu passt, dass das Albumcover verblüffend an jenes von „Oh My Gawd!!!“ der Flaming Lips erinnert, jener Band, die mit ihrem psychedelischen Sound seit den späten 1980er Jahren für viele verspulte Momente sorgt, in dem sie Rock als freien Klangforschungsraum versteht – ganz so eben wie Barker Techno für sich als ergebnisoffenes Gedankenspiel definiert und nicht als festgeschriebenes Genre.
Thomas Venker

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