Record of the Week

Francoiz Breut „Flux Flou de la Foule“

Francoiz Breut
„Flux Flou de la Foule“
(le pop musik)

Alles braucht seine Zeit: Die französische Sängerin und Illustratorin Francoiz Breut – auch Francoiz Brrr – ist zwar schon seit vielen Jahren als Teil der Nouvelle-Chanson-Szenerie bekannt, hierzulande vor allem durch Beiträge auf den le-pop-Compilations. Wurde über Breut berichtet, dann allerdings überwiegend über ihre Kooperationen mit Calexico, Yann Tiersen und anderen Alternative-Größen. Calexico und die Walkabouts coverten ihre Songs, Howe Gelb schrieb für sie „Letter to Francoise“, auf ihrem Album „Une saison volée“ stammen mehrere Kompositionen von Herman Düne, Dominique A und Philippe Poirier, die bisher letzte Platte „Zoo“ (2016) wurde von Adrian Utley (Portishead) produziert.

In dieser Hinsicht markiert „Flux Flou de la Foule“ (etwa: der verschwommene Fluss der Menge/Masse) eine Zäsur, mindestens aber eine neue Station im Schaffen von Francoiz Breut: Für dieses Album suchte sich La Breut ein neues Produktionsteam und junge Musiker, mit denen sie bisher nur live gespielt hatte. Der Switch vom gitarrenbetonten Indie-Chanson zum Electro-Chanson gelang mühelos.

Fast komplett verschwunden sind die typischen Indie-Twang-Gitarren und das leicht nostalgische Odeur, das in ihrer Musik früher zu finden war. Analoge Synthesizer wurden mit den Klängen einer Software gemischt, die Instrumente wie Gitarre, Bass und Bläser imitiert. Im Studio fügten Breut und ihre Musiker dann „echte“ Instrumente hinzu – ein moderner Ansatz, der Debatten um „handgemachte“ versus „künstliche“ Musikproduktion obsolet macht.

Doch man muss von den technischen Details gar nichts wissen, um Breuts neues Selbstverständnis und Selbstbewusstsein zu goutieren. In den elf Songs von „Flux Foul…“ stehen neben der sehr prägnanten, variablen Percussion Breuts Stimme und Texte im Zentrum: „Métamorphose“ zum Beispiel ist mit dem nur leise hingetupften Klavier beinah ein Spoken-Word-Track, auch „Vicky“ lässt mit knarzender Elektronik und angedeuteten Dancebeats viel Raum für Breuts Vocals (und Hintergrundgelächter). Zur träumerischen Ballade „Mes péchés s’accumulent“ („meine Sünden häufen sich“) gibt es ein wundervoll minimalistisch-emotionales Video; „La Fissure“, ein Duett mit dem belgischen Künstler Jawhar, beschäftigt sich wie der Opener „Juste de Passage“ mit menschgemachten Katastrophen wie Klimawandel und kriegsbedingter Flucht. Von Bildender Kunst, sprich Gemälden von Rubens und Millais inspiriert sind die Lyrics von „La chute des Damnés“ und „Fantome du Lac“, während Breut in „Mon dedans vs mon dehors“ zu warm pluckernden Beats von den gegensätzlichen Empfindungen des vermeintlich noch jungen Geistes im älter werdenden Körper erzählt.
Gut möglich, dass auch künftig Musiker Francoiz Breut Songs widmen werden – „Flux Flou de la Foule“ liefert viel Stoff für Bewunderung.

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