Record of the Week

Low „Hey What”

Low
„Hey What”
(Sub Pop/Cargo)

Ein Glück: „White Horses“ macht von Anfang an klar, wie grau das Leben ist, und dass die wunderbaren Low ihren herausfordernden musikkulturellen Weg weiterverfolgen. Die Bilder des adäquaten Musikclips von Shane Donahue über verdeutlichen das.

Ich sage es mal mit den seinerzeit etwas militaristisch anmutenden Worten eines Bekannten: Die Einschläge kommen näher. Etwas alltäglicher ausgedrückt: Freunde und geliebte Menschen werden schwer krank und sterben. Die Welt wird nicht einfacher. Und wir alle älter. Gleichzeitig durchleben wir viele sonnige und gute Phasen. Schwarz und weiß vermengen sich zu grau. Das kann leuchten oder auch Schweiß treiben.

Low (Photo: Nathan Keay)

Genau das vertonen Mimi Parker und Alan Sparhawk seit 27 Jahren und 13 Alben. Für mich, das schrieb ich zu „Double Negative“ vor drei Jahren auch in der mittlerweile verschwundenen Spex, sind sie über einzelne Songs hinaus erst mittelfristig seit den Nullern/Zehnern und insbesondere seit dem vorletzten Album „Ones and Sixes“ und seitdem ich mich fragte, ob meine Boxen und Ohren ob all der Verzerrungen und Drehungen richtig eingestellt sind, endgültig toll geworden.
Sich selbst journalistisch zu zitieren, mag arg narzissmusgesellschaftlich wirken, aber warum wieder alles neu formulieren, wenn es doch wieder genauso zutrifft: „Diese schleichenden und immer wieder sich schüttelnden, in jedem Klang verzerrten Balladen aus dem Off landen im innersten On.“

Und nun die nächste Lawine: Distortion Gospel trifft Slow Rock mit einer Prise Folk, Shoegaze und Dream Pop. Aus dem alles zusammenhaltenden krassen Lärm und bedrohlichem Geleiere schält sich vor allem der stimmliche Trost von Low majestätisch heraus, höre etwa „I Can Wait“ oder „Disappearing“. Nichts für Pathos-Gegner, aber auch nie kitschig. Im Gegenteil: Tief berührend. „Hoffnung ist ein Plagegeist“, schrieb mir neulich aus anderem Anlass Arne Zank von Tocotronic. Recht hat er. Low präsentieren auf „Hey What“ weiterhin heavy stuff mit einer geerdeten Leichtigkeit. In Zeitlupe.

Und nochmal ich in der „Spex“ Nr. 382: „Ich glaube, ‚Double Negative‘ kann nicht mehr getoppt werden.“ Stimmt immer noch. Aber eingeholt werden kann es.

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