Record of the Week

Zackiboy „Softy“ (Misitunes)

Zackiboy
„Softy“
(Misitunes)

Der süße Hauch der Depression
Es ist verlockend, Thorben Kaiser aka ZackiBoy als gemütlich und ein bisschen schrullig zu etikettieren.
Bärig-nerdiger Typ aus Hamburch mit leicht ironischem Blick auf sich und seine Umgebung und Hang zu Frühzweitausender-Elektronik: Klare Sache, hier wird es witzig – oder etwa nicht?

Oh doch, ZackiBoy versteht es gut, seinen Hörer*innen ein Lächeln ins Gesicht zu posten, aber auf ganz sanfte Weise, und eher wie aus Versehen. ZackiBoy ist immer ehrlich, weil es für ihn nicht anders funktioniert. Der gleichnamige Track mit Gaststar Andreas Dorau geht erstmal los wie ein klassischer Dorau inklusive zwingendem Dance-Vibe – dann schaltet sich ZackiBoy ein und trägt Wahrheiten vor, die vielleicht die Kinder traurig machen und die doch unausweichlich sind (nächster Winter wieder ohne Schnee).

Der süße Hauch der Depression hält Einzug, und selbst die unkaputtbare Dorau-haftigkeit bleibt davon nicht unberührt. Im möglicherweise von den Lassie Singers inspirierten Song „Paare“ guckt ZackiBoy genau dort hin, wo es peinlich wird und gönnt sich den größtmöglichen, heute denkbaren Affront, nämlich den Luxus der Unverfügbarkeit („… dann ruft ihr ZackiBoy an / doch ich gehe nicht ran“).

„Venlafaxin“, der erste Song von „Softy“, erzählt vom Leben mit „jeden Tag Pillen / dank Pillen Chillen / dank Pillen nicht Killen“, und von der grotesken Schwierigkeit der Alltagsbewältigung.

ZackiBoys Themen sind Überforderung und das (Ver-) zweifeln an der Welt, in der man so gut es eben geht zurechtkommen will. Und manchmal will man nur „Wände gucken“, wie es in dem großartigen Song über das Nichtmitmachen-Wollen oder -Können heißt. Auch einfach „Gute Laune“ teilt ZackiBoy, die durch die buchstäblich kleinen Dinge entsteht, die nichts mit Wandtattoo-Sinnsprüchen zu tun haben – „Softy“ sein ist anstrengend, Gut drauf sein ist anstrengend, und der Social-Media-befeuerte Imperativ, gut drauf sein zu müssen, erst recht. ZackiBoy ist zwar mit „Bart Brille Bauch“ gewappnet, aber an allen Flanken offen und verletzlich. Daraus eine Pop-Erzählung zu machen ist

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