„PayPalPop“ – Maurice Summen im digitalen Dialog mit Thomas Venker

Maurice Summen: „Früher war ich Punk, heute bin ich Steuerzahler“

Maurice Summen, photographiert von Gabriele Summen im Hauptstädtle Berlin


Maurice Summen regiert nicht nur von Berlin aus das Staatsakt Imperium, er ist zudem auch noch einer seiner aktivsten Labelkünstler. Ob mit Die Türen, Maurice & Die Familie Summen oder nun aktuell als Pop-Dominator mit vielen Beat-Kollaboratoren aus aller Welt für sein neues Album „PayPalPop“, Summen negiert die Altersmüdigkeit mit Witz und Elan. 


 

Maurice, ich möchte den neulich von dir in einer Emailkonversation mit mir gemachten Kommentar aufgreifen, dass du das Label ja als Musiker gegründet hast: wie leicht fällt es dir, den Musiker zu seinem Recht kommen zu lassen? Kannst du uns teilhaben lassen an den Verhandlungsprozessen?

Maurice Summen: Es vergeht kein Monat, in dem ich nicht an Musik arbeite. Das kann ich mir ja auch nicht aussuchen. Die Song-Ideen sind plötzlich da und wollen verarbeitet werden! Aber, klar: Im Büroalltag bleibt mir wenig Raum zur eigenen kreativen Entfaltung.
Im Office spielt sich ein Großteil der Arbeit nunmal nicht in Ableton-Live sondern in Excel ab: Geldnoten statt Musiknoten. Aber ich empfinde die Zusammenarbeit mit all den tollen Musiker:innen als sehr bereichernd und hochinspirierend.
Längere Studio-Aufenthalte oder Touren muss ich immer von langer Hand planen. Aber das kriege ich seit fast zwei Jahrzehnten ganz gut hin.
Es ist am Ende also kein wirklicher Verhandlungsprozess, sondern alles eine Frage der Organisation. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass mir nicht auch von Zeit zu Zeit die Dinge komplett über den Kopf wachsen. Ich bin ehrlich gesagt ein lausiger Buchhalter und habe Angst vorm Steuerberater.

Denkst du, dass du ohne das Label heute andere Musik produzieren würdest, eben da die kontinuierliche Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Künstler:innen ja was mit einem macht?
Schwer zu beantworten. Ich weiß nur, dass ich mir dieses Leben im Rahmen meiner Möglichkeiten so ausgesucht habe – und den Soundtrack dazu produziere ich selbst.

Was kommt bei dir zuerst: die Textidee oder die Komposition?
Meist die Refrains. Und die kommen bei mir praktischerweise immer als Text mit passender Melodie aus dem Ei geschlüpft.

Hast du bei den Stücken für „PayPalPop“ den Produzent:innen ein Thema vorgegeben?
Die Produzent:innen haben fast alle nur die Gesangs-Spuren zugeschickt bekommen, die ich auf dem iPhone aufgenommen habe. Dazu habe ich ihnen Arrangement-Ideen und Sound-Referenzen geschickt und die Texte übersetzt. Das hat oft sofort für gute Laune gesorgt.

Wie kam es zu der Idee denn mit einem Netzwerk internationaler Produzent:innen zusammenzuarbeiten?
Das kam während der sogenannten zweite Welle, mitten im Lockdown. Ich war gerade dabei mit Ramin Bijan und Co. Songs für ein neues Der Mann Album zu schreiben – wir wurden dann von der Pandemie ausgebremst. Ich wollte aber trotzdem mit anderen Menschen zusammen Musik machen und fand ich es verlockend, mich komplett in die Virtualität zu begeben. Naja, was heißt Virtualität, es sind ja Menschen, denen Du dort begegnet. Diese Portale hatte ich schon vorher mit einer gewissen Neugierde verfolgt, die werden in sozialen Medien massiv beworben; zumindest in meinen Musik-Nerd-Timelines ist das so. In urbanen Popgefilden ist es ja seit Jahren nichts außergewöhnliches, sich auf solchen Plattformen nach Ghost-Producern für seine Songs umzuschauen.

Wie hat sich die Auswahl der Personen und die Zusammenarbeit vorzustellen? Gab es eine Longlist und viel try and error oder esdas Ergebnis eines konzentrierten Prozesses ohne viel Reibungsverluste?

Die meiste Zeit ging tatsächlich mit dem Suchen von interessanten und bezahlbaren Produzent:innen drauf.
Auf diesen Portalen gibt es natürlich auch diese mit 5-Sternen bewerten Premium-Accounts. Aber es gibt eben auch sehr viele junge Talente zu entdecken, die sich noch nicht profilieren konnten. Da habe ich mich nächtelang durch unzählige Profile gewischt. Bei Interessanten Leuten bin ich dann hängen geblieben und habe mir ihre Referenzen angehört. So wie das auf Dating-Portalen eben läuft: Show me whatcha got! Nicht alle Kontakte haben gefunkt. Reibungsverluste gab es wenige. Dafür aber ganz viele wunderbare kreative Missverständnisse.

Wo leben denn deine Co-Produzent:innen des Albums?

Around the world! Von Russland bis Südafrika, von Spanien bis Jamaica. Von Indien bis nach Kanada. Aber genau das ist ja unter sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Aspekten das fragwürdige an so einer Produktion. Allein zu sehen, was es für ein Preisgefälle innerhalb Europas gibt. Du findest die gleiche Qualität in Italien zur Hälfte des Preises wie in Schweden. Auf der ganzen Welt freuen sich junge kreative Menschen über einen Auftrag. Und der wohlhabende Produzent aus Deutschland kommt aus dem Lachen nicht mehr raus, wenn er die Preise mit denen hier vor Ort vergleicht. Aber Fragen nach den Lebensumständen der Menschen, die Du dort anheuerst, stellen sich ja gar nicht erst. Es dreht ich alles nur um ihr Leistungsprofil.

Ist diese Internationalität von besonderer Bedeutung in einem Jahr, in dem wir alle plötzlich kulturell eingeengt in unseren Mini-Biotopen sind? Unsere Lebensentwürfe sind ja ein Gegenentwurf gegen Regionalität und Nationalität.

Im Pop war es schon immer möglich im Sound zu reisen. Weil das Wesen der Musik auf eine ähnliche Art virtuell ist, wie es das Internet ist. Oder ein gutes Buch. Ganz pathetisch ausgedrückt: Es ist die Seele, die reist.

Anders gefragt: Wer war schon auf Jamaica in Lee „Scratch“ Perrys Black Ark Studio, in Madchester zu wilden Raves oder bei den HipHop-Battles mit Grandmaster Flash zugegen? Mit Joni Mitchell im Laurel Canyon? Oder mit den Beatles in der Abbey Road? In Vivien Westwoods und Malcolm McLarens Sexshop-Laden? Im Studio54? Aus unserer Generation X sicher niemand. Aber trotzdem haben wir das Gefühl, diese Welten irgendwie zu kennen. Ich war mit dieser Produktion virtuell überall auf der Welt unterwegs. Aber in Wirklichkeit saß ich nur zuhause im in einem kleinen provisorischen Arbeitszimmer mit funzeligem Licht.

Ich zitiere mal eben aus dem Song „Alte Fotos“ vom Album: „Alte Fotos – Junge Menschen haben keine alten Fotos“. Hatte deine Tochter einen Einfluss auf den Text?

Indirekt bestimmt.

Und wo ich sie anspreche, erinnere ich mich, dass du beim Jazzfest Berlin mal davon gesprochen, wie effektiv die WhatsApp-Gruppen heute seien, um Musik zu promoten und dass du dich da reinfuchsen willst. Wurden einzelne Songs des Albums denn schon im WhatsApp-Verteiler der Tochter getestet?

In den WhatsApp-Gruppen meiner Tochter? Nee. Aber meine Familie hat im Lockdown alle Songs immer sofort vorgespielt bekommen, wenn von irgendwo eine Nachricht reinkam: „Ihre Lieferung ist da!“ Spannende News in diesen Zeiten: Post von einem anderen Kontinent. Wow!
Aber, klar: Unsere Kinder verfügen in ihren diversen Chat-Gruppen über eine extrem hohes organische Reichweite. Da wollen sie alle rein mit ihren Marketingtricks: Tic-Toc wie Instagram, Netflix und die Bundesregierung mit ihrer nächsten Kampagne. So eine Reichweite kannst du dir als Indie jedenfalls nicht so einfach erkaufen.

Maurice Summen, photographiert von Gabriele Summen im Hauptstädtle Berlin


Was sind denn die Lieblingssongs von deiner Tochter und deiner Frau?

Yolanda liebt „Love Bomb“, da hat Gaby die Lyrics geschrieben. „Aber nicht nur deshalb!“
Gabys Lieblingssong ist „Organic“. Mit dem Lied im Ohr lässt sich der Bioladen-Einkauf besser ertragen, sagt sie.

Siehst du ein oder mehrere Leitthemen, die das Album prägen?

Ich glaube es gibt ein paar zentrale Themen, die mich seit Jahren umtreiben. Die variiere ich auch auf diesem Album: Zwangsindividualisierung, mangelnde Solidarität, Sozialabbau und eine große Skepsis an dem, was wir kulturell als Mainstream und den Kapitalismus dahinter bezeichnen.
Mich interessieren die Mechanismen von der Produktion bis zur Verwertung. Und immer auch die politischen Rahmenbedingungen. Wie meine Tochter mal so schön gesagt hat: „Alle schreiben tolle Love-Songs, nur mein Vater nicht!“. Und wenn ein Song dann endlich fertig produziert ist, gebe ich ihn genau in die Maschinerie hinein, die ich in meinen Lyrics kritisiere. So geht das mit den Widersprüchen in der Kunst: Miete, Strom, Gas.

Was triggert den Songwriter Maurice Summen zur Auseinandersetzung?

Ich kann da nichts ausschließen. Meine Frau, meine Familie oder die Labelarbeit bis zu einem lustigen Tweet. Von der lokalen Wohnungspolitik bis zu Fragen nach außerirdischem Leben in irgendeinem Clickbait-Post. Ein gutes Buch, der nächste Steuerbescheid, Freund:innen, ein toller Song, ein guter Groove oder ein Mensch im Vorbeigehen auf dem Bürgersteig, mit seinem öffentlich aufgeführten Telefongespräch. Ich kann es mir einfach auch nicht aussuchen, wann und wo ich angtriggert werde. Es passiert einfach. Ich werde jeden Tag aufs neue von der Welt und mir selbst überrascht.

Was hat dich zuletzt getriggert, was wir noch nicht auf „PayPalPop“ hören können?

Oh, sehr viele Dinge. Es gibt ja beispielsweise keinen expliziten Corona-Song auf der Platte. Und das Album heisst bewusst „PayPalPop“ und nicht etwa „Wirecardrock“!

Auf „PayPalPop“ zu hören ist der Song „Tote Männer“, der sofort die ganze Aufmerksamkeit ergattert mit seinem signifikanten Titel – doch was man hört, ist erstmal schwierig bis gar nicht zu decodieren, da das konkrete Wording vom Soundeffekt weggezaubert wird. Sprechen da die alten Männer ohne Zähne oder bist du das als kritischer Mahner an die Generation Trap?

Der Song ist vor allem eine unbewusste Reaktion auf diesen ganzen Kondolenz-Wahn im Internet. Die Beschäftigung mit verstorbenen Pop-Stars hört ja bei vielen Menschen scheinbar gar nicht mehr auf. Ihre verstorbenen Idole haben weiterhin Social-Media-Accounts, die von Firmen im Namen der Erb:innen kommerziell fortgeführt und ausgeschlachtet werden.
Statistisch hören die meisten Menschen ab dem 30. Lebensjahr damit auf, sich für neue Musik zu interessieren. So gesehen hören sehr viele Leute da draußen hauptsächlich Musik von toten Männern.

Ein Kernstück des Albums ist für mich das düstere „Früher war ich Punk“, das so auch in der Dark-Wave-Disco in den 80s hätte laufen können. Die Textur des Stücks sagt Hit – doch du gibst ihm nicht den Raum, sondern lässt es nur knapp zweieinhalb Minuten kreisen. Ist das schon ein Zeichen von Größenwahn, wenn man die Karten nicht spielt, die man auf der Hand hat?

Fad Gadget, Tuxedomoon oder Cabaret Voltaire, diese Sachen liefen in meiner Jugend in den alternativen Clubs in der westfälischen Provinz. Ich wollte aber keinen Retro-Song daraus machen, sondern mich und die Hörer:innen nur kurz in diese dystopische Stimmung zurückversetzen.
Ich habe bei meiner Suche einen jungen Produzenten aus Bangladesh gefunden, der hat sich tatsächlich spezialisiert auf diese 80ies-Wave- und EBM-Äshtetik.

Ich bin ja schon etwas alterstaub, das was du heute bist, kann ich auf Teufel komm raus nicht decodieren. Was sagst du da?

Die Textzeile lautet: „Früher war ich Punk, heute bin ich Steuerzahler“.

Sehr schön auch die vibevolle Romantic-Ballade „Black friday“, in der du auf die Prozente scheißt. Leben heißt ja auch den Wahrheiten und Widersprüchen begegnen. Ganz ehrlich: doch schon mal am Black Friday eingekauft?

Tatsächlich noch nie! Ich finde ein Kalkulieren von Preisen, das solche Rabattaktionen von vornherein mit einberechnet, ein dämliches Spiel. Mich nerven auch diese monatlich stattfindenden Bandcamp-Fridays. Dieser ganze zusätzliche Rummel! Als würden wir nicht täglich schon mehr als genug konsumieren.

Was mich an „PayPalPop“ wirklich beeindruckt, ist wie scheinbar mühelos du linke Gesellschaftskritik, humorvollen Duktus und tighte Musikproduktion zusammen bringst. Ein Triathlon, an dem sich die meisten verheben. Ist das langes Training? Gibt es viel Ausschuss, wo es sich eben nicht so locker ausgeht? Oder was ist das Geheimnis hinter der formvollendeten Symbiose?

Danke! Es sind immer unfassbar viele Faktoren, die bei so einer Albumproduktion zusammenkommen. Das ist das wirklich spannende im Pop! Du weißt wirklich nie, wo Du am Ende rauskommst. Und wie die Leute darauf reagieren werden. Der Versuchsaufbau für „PayPalPop“ war aber auch für mich sehr besonders. Also das Musizieren mit wildfremden Menschen auf der ganzen Welt unter Lockdownbedingungen im Internet. Hätte auch schief gehen können. Glück gehabt!

Wie oft hast du „Das Ladekabel“ mitnehmen müssen, bis die Songidee zu dir kam?

Wir hatten schon oft ein Ladekabel-Problem bei uns zuhause! Oder im Büro. Oder auf Tour mit der Band. Immer ein Ladekabel zu wenig. Für mich war dieser Song längst überfällig. Diese ätzenden First-World-Problems! Einfach nur frustrierend. In jeglicher Hinsicht.

Viele der Songs widmen sich dem digitalen Terror, der unser aller Alltage mittlerweile prägt: „Alles tut www“, „Autoresponder“, „Hinter der Bezahlschranke“, „Link in My Bio“ – was mich zur Work-Life-Ballance-Frage bringt. Kann Maurice Summen Feierabend machen?

Nun, wir sind jetzt eben alle in Digitalen gelandet! 24/7. In den Nullerjahren haben wir uns noch über Tamagotchis lustig gemacht. Heute stellt auch für uns die Akku-Anzeige im roten Bereich eine mittlere Katastrophe dar. Vor allem wenn gerade eben kein Ladekabel in Sicht ist.
Feierabend im Home-Office fällt mir natürlich auch schwerer als sonst, aber ich gebe mir schon Mühe, mich regelmäßig aus alldem hier rauszuziehen!

So sehr Staatsakt den Bezug zur gesamten Bundesrepublik Deutschland in sich trägt, ist das Label primär ein Berliner Biotop, wohl auch da ein Großteil der Künstler:innen da mittlerweile lebt. Wie fühlt sich für dich Berlin aktuell an?

Klar, die meisten Künstler:innen auf unserem Label wohnen in Berlin. Ich lebe seit fast 20 Jahren in dieser Stadt (Staatsakt gibt es seit 2003). Und klar, ich muss jetzt natürlich auch – aus guten Gründen – den Gentrifizierungsblues singen, aber auch von einer Stadt sprechen, die immer noch großes Potenzial hat und durch ihre Historie einfach wahnsinnig unterschiedlich ist. Wenn ich im Prenzlauer Berg in die Bahn oder aufs Fahrrad steige und dann in Schöneberg, Kreuzberg, Neukölln oder im Wedding oder sonst wo lande: Das sind alles vollkommen unterschiedliche Bezirke. Du findest in Berlin immer noch für jede erdenkliche Nische ein Publikum. Sei deine Idee oder auch noch so abwegig. Und genau das ist der Anspruch, den ich an eine Stadt habe, in der ich leben möchte.

Und wie wir gerade alle schmerzlich feststellen müssen: Das Internet kann vieles kompensieren, uns weiterhin sozial connecten, gut informiert halten, ja eine Fläche für alles mögliche bieten! Aber am Ende brauchen wir unbedingt die Orte, an denen wir uns begegnen und beschnuppern können! Nur so gewinnen wir Vertrauen in unsere Mitmenschen. Und nur auf dieser Basis können sich kulturpolitische Bewegungen überhaupt entwickeln. Minecraft-Spieler:innen würden mir da jetzt sicher widersprechen.

Würdest du den Dialog mit der Republik als auf Augenhöhe beschreiben, den du führst?

Ich beklage das schon seit viele Jahren: Da flüchtest Du als junger Mensch aus kulturellen Gründen aus der Provinz nach sagen wir Berlin, aber am Ende musst Du doch wieder die Leute auf dem Lande von Deiner Kunst überzeugen und auf irgendwelchen Festivals mit Plastikbechern und Wurstbude auftreten. Und die Programmchefs der großen Radios und Fernsehanstalten fordern immerzu „Formattauglichkeit“ ein. Nun, würden sich junge Musiker:innen von vornherein an das Gebot der Formattauglichkeit halten, gäbe es bald überhaupt keine relevante Kunst mehr. Aber das kannst Du diesen ganzen Entscheider:innen schwer beibringen. Die meisten von ihnen wollen ein auffällig unauffälliges Programm: Radio Besitzstandswahrung!

Ich finde es erstaunlich, wie zur Zeit die komplette Popjournalie auf die Streaming-Portale losgeht: Für die meisten Artist sind die Ausschüttungen dort mager, das ist sicher richtig! Aber 99% der Musik, die auf Spotify läuft, wird im öffentlich-rechtlichen Funk überhaupt nicht gespielt! Will sagen: Die Streaming-Portale bieten jungen Künstler:innen in der Breite größere Entfaltungsmöglichkeiten als die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten das jemals getan haben. Darüber spricht aber niemand.

Trotzdem erreicht das, was auf staatsakt erscheint Menschen auf viele Wegen überall in der Republik und weit darüber hinaus! Dank einiger Enthusiast:innen auch im öffentlich-rechtlichen Funk. Wir haben ohne großen Masterplan mit diversen Partner:innen über all die Jahre eine eigene Infrastruktur geschaffen. So viel zum Geschäft. Wenn ich mich aber voll und ganz politisch engagieren würde, um mich auf Augenhöhe mit den kulturpolitischen Verantwortlichen in der Republik zu begeben, müsste ich meine künstlerische Arbeit als auch die Labelarbeit wohl komplett aufgeben.
So bleibe ich bis auf Weiters der außerparlamentarische Nervi mit den coolen Scheiben.

Wovon träumt Maurice Summen im April 2021?

Ich träume davon, das Raubtier mit Namen Kapitalismus einzusperren. Ein Stück weit müsste ich mich also selbst mit einsperren lassen!

Auch ich vertrete die Meinung, dass wir die zentralen Fragen um die Zukunft auf diesem Planeten auf gar keinen Fall allein einem liberalen, unternehmerisch getriebenem Geist und seinen politischen Lobbyisten und Handlanger:innen überlassen dürfen. So sehr ich die Vorzüge einer liberalen Politik als Unternehmer und auch als Künstler selbst zu schätzen weiß! Auch ich habe schon sehr viele schlechte Erfahrungen mit dem trägem Staatsapparat gemacht! Da muss ich mir nur die Corona-Politik des vergangenen Jahres anschauen: Komplett zum Verzweifeln, klar.

Aber ich habe die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben! Um abschließend meinen geschätzten Freund Knarf Rellöm aus seinem Album „Fehler is King“ zu zitieren: „Das war kein Sozialismus, das war Spießerkram!“. Ansonsten träume ich, wie viele andere Künstler:innen gerade auch, von einem klug-verschachtelten NFT-Popkunstwerk, dass ich für umgerechnet 1.000.000 Dollar oder mehr verscherbeln kann. So lange, bis ich an den extrem hohen Energieverbrauch in der Kryptowelt denke.

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„PayPalPop“
ist
im Staatsakt Shop bei Hanseplatte erhältlich. 

Der Digi-Dialog zwischen Maurice Summen und Thomas Venker erschien ursprünglich in editierter Form in der Mai-Printausgabe der Kölner Stadtrevue, deren Crowdfunding-Kampange sich über jegliche Unterstützung freut.  

 

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