Record of the Week

Hackedepicciotto “The Current”

Hackedepicciotto
“The Current”
(Potomak)

„All men are created equal“ – mit diesen Worten beginnt das neue Album unseres liebsten Weltreisepaars Danielle De Picciotto und Alexander Hacke, oder auch: Hackedepicciotto. Ziemlich genau zwei Jahre nach dem düsteren „Menetekel“ erscheint „The Current“, die inzwischen vierte gemeinsame Platte der beiden musikalischen und auch ganz buchstäblichen Nomaden, die ihre Nicht-Sesshaftigkeit in kreativen Output kanalisieren. Filmmusik (zum Beispiel für die TV-Serie „Ein Fall für Dr. Abel“), Artist Residencies wie unlängst in Irland, „daneben“ Auftritte auf der ganzen Welt – Hackedepicciotto sind immer in Bewegung und arbeiten dabei praktisch immer. Regisseurin Margarete Kreuzer drehte unlängst eine sehr schöne Doku über das Leben und die Kunst von Hacke & De Picciotto („Traumfänger“, 2018), in der Weggefährten wie Blixa Bargeld, Gudrun Gut und Frieder Butzmann zu Wort kommen.

Zurück zum Eingangssatz des Openers von „The Current“: Klingt erstmal vertraut, beinah banal, weil oft gehört, dieses „all men are equal“, nicht wahr? Muss aber immer wieder neu verhandelt werden, hierzulande und überall auf der Welt. Hackedepicciotto werden sehr explizit auf dieser Platte, was sich auch musikalisch niederschlägt. Die für sie typische Drones und Soundscapes werden auf „The Current“ mal sanft, mal brachial mit Percussion und Elektronik unterfüttert, begleitet, verstärkt, gestärkt – Hackes Neubauten-Vergangenheit kam in der gemeinsamen Arbeit mit De Picciotto noch nie so deutlich durch wie in den elf neuen Tracks. Was nicht bedeutet, dass Danielles suggestive Spoken-Word-Performances in den Hintergrund gedrängt werden. Ganz im Gegenteil bauen sich Sound und Lyrics gegenseitig auf, vom Flüstern bis zum Dröhnen, sozusagen. Dazu Chöre, Geigen, Vogelstimmen – Hackedepicciottos Platten sind immer ein ganzheitliches Erlebnis, mehr Sinfonie, Hörspiel oder Filmsoundtrack als „nur“ Pop. Die neue Konzentration auf Rhythmus gibt den Stücken mehr Intensität und Dringlichkeit: Hackedepicciotto verweisen auf den erbärmlichen Zustand der Welt, sei es in sozialer, politischer, ökologischer Hinsicht, wobei „The Current“ von Depression und Hoffnungslosigkeit nichts wissen will. Von den warnenden Glockenschlägen im sakralen „Defiance“ bis zur Deklamation von Heinrich Heines 200 Jahre altem „Loreley“-Lied („Ich weiß nicht, was soll es bedeuten / dass ich so traurig bin…“) stiften Hackedepicciotto im besten Sinne zur Unruhe an: Wie es ist, kann es nicht bleiben. Aber du musst losgehen, dich umschauen, die viel zitierte Bequemlichkeitszone verlassen. Hackedepicciotto wissen ja, wie das geht.

Hackedepicciotto live 

 

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