Record of the Week

Lonelady “Former Things” (Warp)

Lonelady
“Former Things”
(Warp)

Auch auf ihrem dritten Album widmet sich Julie Campbell alias LoneLady ihrer Lieblingsdisziplin Psychogeographie, konkret beeinflusst durch ihre Heimatstadt Manchester. Das Spannungsfeld aus glorreicher Vergangenheit und Verfall, aus Geschäftigkeit und Lethargie bestimmte Campells Debüt „Nerve Up“ von 2010 und auch das fünf Jahre später erschienene Nachfolgealbum „Hinterland“:

Was macht die Stadt mit uns?
Und was machen die Menschen in/mit der Stadt – fühlen wir uns in einer Dystopie zuhause oder fremd?

Diese Fragen brachte LoneLady in einer Mischung aus programmierten Beats, Postpunk-Reminiszenzen und melancholischen Vocals unter, die nicht wenige an Anne Clark erinnerte. Campbells musikalische Vision reicht über nostalgische Verklärung jedoch weit hinaus, wenn auch mit Mitteln aus der Vergangenheit realisiert.

Ursprünglich als Techno-Album geplant und mit alten Synthesizern aufgenommen, hat Cambell „Former Things“ im besten Sinne unruhig arrangiert, die Tracks bouncen zwischen Mutant Disco und Eighties-Pop hin und her. Sie wollte „richtig knallharte Synthie-Sounds machen und druckvollen Electro-Crunch-Sound“, so Campbell in einem Interview, in dem sie außerdem Cabaret Voltaire, Cybotron und Neneh Cherry als Einflüsse angibt. Entstanden sind so acht fordernde Tracks, durchchoreografiert vom Opener „The Catcher“ mit cineastisch anmutenden Streicher-Samplings bis zum buchstäblich zerbröselnden „Terminal Ground“ am Schluss: „Your dreams… where are they now? / Forgotten… Forgotten…“

LoneLadys Thema ist Vergänglichkeit – wobei Zeit kein ruhiger Fluss im urbanen Spielfeld ist.
In “Time Time Time” zum Beispiel kehrt eine Synthesizer-Glöckchen-Schleife immer wieder, Campbell stoppt die Melodie kurz und dreht sie um, wie sich auch die Erinnerung im Text umdreht.
Überhaupt, die Lyrics: Suggestiv, dabei dicht und emotional, weniger gehetzt und stakkatoartig vorgetragen als auf den älteren Platten. Campbell arbeitet mit ihren Vocals wie mit den Maschinen, bearbeitet die Stimme digital, schickt sie durch Effektgeräte inklusive Sampling und Echo. Klingt Campbell in „There Is No Logic“ rauh und gestresst, morphen die Hintergrund-Vocals im kalten Funk von „Fear Colours“ ins Metallische, das „Menschliche“ geht in hart peitschenden Samples unter. Auch „Threats“ baut polyrhythmisch-stotternd eine Atmosphäre der Bedrohung und Entfremdung auf. Man kann sich nicht fallenlassen oder gar ausruhen in diesen Tracks – nur der Apokalypse davontanzen.

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