Blick zurück nach vorn

Autorenhonorar und Kirmesgeld – von Popkultur leben 2021

28. Dezember 2021,

Schon wieder ein Hundejahr verstrichen? Wuff, wuff! Unglaublich, was ein Autobahn-Feeling auf 2021 aufkam. Ich würde doch so gern etwas mal festhalten: Nun hier kommt daher die saisonale Rückschau auf meine popjournalistischen Arbeiten des Jahres. Wem dient es, was bleibt – und reicht das Jonglieren mit Popkultur echt auch zum Leben? Eine Auswahl von Texten, die ich in die Welt gepumpt habe. Im Jahr zwei von Corona. Linus Volkmann bleibt fahren.

never apologise, never explain

Spiegel Online
„Einfach nur Sahne aufs Nazigesicht“

„Ich kann mich an die Sekunden vom Boden bis zum Vorraum kaum noch erinnern, außer dass mein als Hotelier getarnter Kollege wie verabredet rief: ‚Ich bin vom Hotel! Die Polizei ist schon gerufen! Lassen Sie den Clown los!‘ Der beste Weg, autoritären Charakteren zu begegnen ist, nun ja, eben mit Autorität.“
(Jean Peters im Interview über den Tortenwurf auf Beatrix von Storch)

Jean Peters kenne ich als goldigen wie resoluten Aktivisten. Ein visionärer Draufgänger zum Verlieben mit Charme, der einen großen Gestaltungswillen besitzt. Er war der Typ, der einst Beatrix von Storch in einem (seinem eigenen) Clown-Kostüm „getortet“ hat und ist einer der Motoren des situationistischen Peng-Kollektivs. Zwischenzeitlich war Peters auch bei Böhmermann im Dienst, um fürs Neo Magazin Guerilla-Aktionen auszuhecken. 2021 hat er nun ein Buch über die Aktionen des Peng-Kollektivs veröffentlicht: „Wenn die Hoffnung stirbt, geht’s trotzdem weiter“ (Fischer Verlag). Spektakuläre Storys sind drin – alles ideologisch unterfüttert, hochinteressant und meist auch hochbrisant – ich habe ein Interview mit ihm dazu geführt. Erschienen bei SpiegelOnline. Dort allerdings hinter der Bezahlschranke, bei aller ökonomischen Nachvollziehbarkeit befeuert das nicht so sehr den Autorenstolz – denn wirklich teilen kann man seinen Beitrag so nicht. Nun ja, bleibt die Hoffnung, zumindest in der SpOn-Community haben es einige gelesen.
Hier der Artikel.

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tip Berlin
„Köln – Wo Spätis ‚Büdchen‘ heißen“

„Heute ist Köln nicht mehr Medien- sondern vor allem Event-Stadt. Klingt ein bisschen anstrengend? Ist es auch, aber nirgendwo anders in Deutschland besitzt das juvenile Phänomen ‚Cornern‘ so viel Charme wie hier, es passt einfach zur kölschen Mentalität.“

Für eins der letzten noch sendenden und druckenden Stadtmagazine, tip-Berlin, habe ich über Köln geschrieben. Eine Art persönlicher Text für alle Besucher*innen jener schenkelklopfende Rheinmetropole.
Das Kuriose an diesem Text ist für mich, dass ich ihn gedruckt nie zu Gesicht bekam. Die Redakteurin verpasste, mir eine Ausgabe zuzuschicken, auch ein pdf der Seiten hat mich nie erreicht. File under: Geheimnisvoll, verschollen, Sammlerstück. Erschienen scheint er zumindest, immerhin bekam ich das Honorar überwiesen. Wer ihn mir eingescannt, kriegt ein Shout-Out und eine schöne Postkarte!

 

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Goethe Institut

„Für die kollektive Ekstase gibt es keinen Ersatz“

 „Die Pandemie befindet sich im zweiten Jahr. Eine neue Generation von Teenies wäre genau jetzt in dem Alter, sich ihr erstes Konzert oder Festival anzugucken – aber mangels Angebots suchen sie sich eben etwas anderes. Man kennt es doch von sich selbst, wenn man gewisse Dinge nicht in einem gewissen Alter gemacht hätte, hätten sie nie diese Bedeutung erlangt.“
(Frehn Hawel im Interview über die Folgen der Corona-Geschehnisse)

Für das in Reimform arbeitende Goethe Institut führte ich ein Gespräch mit Frehn Hawel über die Festivalkultur in Zeiten von Corona. Was geht den Bach runter beziehungsweise was geht trotzdem alles?
Frehn hat auch eine Band mit Rick McPhail von Tocotronic, er redet extrem schnell, weil er soviel Informationen unterzubringen hat zu jedem Thema. Sowas schätzt man als Journalist in Interviews natürlich: Tighte Leute im Zeitraffer. Content, Content, Content über alles!
Hier der Artikel.

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Siegessäule
Man On Man / Henri Jakobs

„Ich funktioniere einfach nicht in Gruppen. Ab einer Menschenansammlung von über drei bin ich maximal überfordert.“ 
(Henri Jakobs im Interview)

Ein weiteres Stadtmagazin, das immer noch die Kraft hat, um auszuteilen: Die Siegessäule. Sie schreibt genau wie tip über Berlin – nur eben in queer. Beide Interviews, die ich dieses Jahr für den Glamour schwitzenden Big Styler und Chefredakteur Noll führte, wurden Titelstorys. Na, da kann man sich natürlich zuhause bei den Eltern mal wieder sehen lassen: „Oh Herr Jesus. Warum ist bloß unser Bub noch Printjournalist, wo selbst wir Neunzigjährigen nur noch TikTok pushen?“
Doch zeige ich die Titelseiten der Siegessäule, hängt der Haussegen kurz wieder gerade. Denn gegen „Vorne drauf“ kann auch 2021 niemand was sagen!
Beide Acts übrigens auch musikalisch genau „mein Ding“, wie ich es als Wortakrobat zu sagen pflege. Einmal sprach ich mit dem Power-Couple Man On Man über ihren Elektro-Rock und das Cruisen in Zeiten der Cholera – genauso wie mit Henri Jakobs über dessen Liebe zum Brotbacken und mehr.

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Musikexpress
„Monsters Of Musik-Dokus“

„Die kontextlose Playlistenkultur als auch der tägliche Social-Media-Bildersturm ohne jedes größere Narrativ machen das Erzähl-Genre Musikdoku aktuell wieder dermaßen erfolgreich.“

Ich unterstützte dieses Jahr regelmäßig die Redaktion des Musikexpress. Das heißt, ich gestalte und betreue die Auftaktseiten des Magazins. Fühlt sich ein bisschen an, als wäre noch mal „Intro“, bloß ohne den damit verbundenen Emo-Irrsinn.
So habe ich dieses Jahr so viele Beiträge verfasst oder in Auftrag gegeben wie schon ewig nicht mehr. An dieser Stelle hier greife ich davon mal heraus, dass ich in einer Ausgabe eine eigene Sonderstrecke über das Darling-Format „Musik-Dokus“ aufstellen konnte. So kam ich in den zweifelhaften Genuss, am Ende auch diverse empörte Leserbriefe (natürlich nur von Typen) evoziert zu haben. Denn bei „Die 60 besten Dokus“ (haltlose Behauptung eh) vermisst natürlich der eine oder andere garantiert seinen Lieblings-Klassiker. Außerdem ist „Doku“ nicht gleich „Doku“: Musikfilme, Roadmovies, Interview-Sammlungen … bei meinem Spezial wurden alle Genres begeistert in einen Sack geworfen – was mir ebenfalls Kritik vom Leser einbrachte. Hallo analoger Kommentarspalten-Beef – abgewickelt von der guten alten Brieftaube und dem Gänsekiel.
Ansonsten interviewte ich als Bonus-Redakteur des Musikexpress u.a. noch: Mine, Carolin Kebekus, Fritzi Ernst, Sophie Passmann, die Drinnies, The Wombats, The Toten Crackhuren im Kofferraum und und und
Ein großes Privileg einfach. Hier fühle ich mich echt demütig vor dem ganzen Selbständigkeits-Hustle. Trotz Steuer-Scheiß, Selbstmotivationspflicht, Jugendwahn und was nicht alles sagt mir niemand, wann ich was zu tun habe und für alle tollen Sachen, die auftauchen, bin ich erstmal zuständig. Herrlich!

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„Awesome HipHop Humans“ (Sookee / Gazal)

„Musik von und für Barbaren? Wie Popmedien am Thema Rap ­scheitern“

In Sookees und Gazals Anthologie „Awesome HipHop Humans“ bin ich übrigens mit einem Text vertreten. Kulturrevolution ist ja immer – aber selten so vielstimmig und kämpferisch auf den Punkt wie in dieses Sammlung.  #proud to be dabei. Dafür braucht es kein Honorar. Visionen von einer gerechteren Welt ohne Macker-Mucke ist hier mehr als Lohn genug.

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Musikexpress.de

Die Popwoche

Ein Text-Engagement wie ein Uhrwerk: Jede zweite Woche bin ich mit der sogenannten „Popwoche“ dran. Eine Online-Kolumne im Wechsel mit der rüstigen Dresdnerin Paula Irmschler. Klar, es ist kalt in deren Schatten, aber alle vierzehn Tage versuche ich, ihrem Dreizack etwas entgegenzuhalten. Seit ich die Folgen monothematisch aufziehe, macht mir dieses Format übrigens doppelt soviel Bock. In Erinnerungen blieben mir u.a. Themen wie „Ha-Ha-Hauptstadthass!“ „Nimm mich, He-Man!“ (Masters Of The Universe Spezial), „It takes two, baby – die schönsten (und die scheußlichsten) Pop-Duette“, „„Oi Black, Jugo Ürdens und Hyäne Fischer – die ‚besten‘ Wortspiel-Bandnamen“ …

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„Abendkasse“ (Johannes Fleur / André Lux, Hrsg.)
„In der Mülltonne der Schwiegersöhne“

„Nach dem nur eine Handvoll Songs langen Konzert kommen Verantwortliche und Besucher auf uns zu, um uns zu sagen, wie wahrhaft entsetzlich es war und dass sie sich für uns schämen würden.“

Noch eine Anthologie, vornehm. Schließlich will ich mich weiterhin ja Autor und nicht bloß Journalist schimpfen lassen können. Viele Leute schreiben hier unter einem Dach. Bisschen was wie Titanic (Das Boot) mit Stiften. André Lux (Egon Forever) und Johannes Fleur (Bayer Uerdingen) sammelten casual Storys über die schlimmsten Bühnenerlebnisse. Ein Buch wie eine Tüte Chips. Man möchte erst wieder aufhören, wenn alles leer gefressen ist. Ich erinnerte mich in meinem Beitrag an einen peinlichen Auftritt meiner Fun-Punk-Band Die Schwiegersöhne auf dem „Maa-Fest“ (Main-Fest) in Dörnigheim.

 

Kaput-Mag
Gigolo Tears / Zwakkelmann / Stephan Rehm Rozanes

„Ich finde, nur weil man Pop macht, heißt das ja nicht, es darf nicht um was gehen.“
(Christin Schalko, Gigolo Tears)

Wenn man Bock hat oder einen Anlass sieht, über ein Thema zu schreiben, dann braucht man natürlich auch eine Plattform, die das Ganze auch veröffentlicht. Sonst steht man doof da mit seinen schönen Gedanken und Sätzen und kann die höchstens noch bei Facebook feilbieten wie ein Hund. Daher ist man als Autor ständig angewiesen auf die Gunst oder auch nur den Kontakt zu Redaktionen.
Aus diesem Grund liebe ich dieses Magazin hier: Beim kaput-mag kann ich jederzeit alles veröffentlichen, das ich für richtig halte und wie ich es für richtig halte.
Klar, ich muss die Zeit finden und bekomme natürlich kein Honorar – aber es ist für mich wahnsinnig befriedigend, dass hier immer immer immer Platz für meine Sachen ist. Wenn mir mal wieder eine Redaktion ein „Nein“ erteilt oder einfach auch gar nicht antwortet, kann es mir egal sein. I do it anyway, Leute!
Dieses Jahr zum Beispiel schrieb ich hier u.a. über: Stephan Rehm Rozanes Buch über Die Ärzte wie auch über Zwakkelmann, das Idol meiner vertrottelten Dorfjugend, genauso wie über die wundervolle Debüt-Platte von Gigolo Tears.

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ZAP
„Alte weiße Punker – Jurassic Park mit Sexismus-Problem“

„Denn dort werden Frauen zwar im Line-up vernachlässigt, auf den Camping-Plätzen genießen sie jedoch die ungeteilte Aufmerksamkeit übergriffiger Männer, die ihre Körper im Vorbeigehen via Megafon kommentieren und sie grölend dazu auffordern, ihre Brüste zu zeigen.“

Zusammen mit Diana Ringelsiep nahm ich die Anfrage des wiederauferstandenen Szene-Heftchens ZAP an, einen Artikel beizusteuern. Da das Heft selbst immer wahnsinnig verpenist und vermackert war und noch ist, bestanden wir auf einem Artikel über #punktoo und bereiten darin den Stand des Diskurses „Punk vs. Sexismus“ auf.
Nach Erscheinen (!) sah sich der Herausgeber davon dann doch aufs Glied getreten und versuchte uns auf Social Media mit einem Shitstorm zu überziehen. Für Arbeit, die wir kostenlos für sein Magazin geleistet hatten, muss man sich mal vorstellen! Da ihm allerdings Argumente, Charme und Witz fehlten, kam er mit seiner Stuhlgangkampagne nicht weit. Ein Glück. Dieser peinliche wie unprofessionelle Nachklapp machen den Text damit auf jeden Fall zum mit Abstand skurrilsten Schreibjob des Jahres.

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Deep Talk NRW

10 gefilmte Interviews

„Feminismus ist keine private Agenda, sondern es ist unser Recht, auf unsere Situation hinzuweisen.“
(Ronja Schwikowski)

Doch mit Schreiben allein ist es ja nicht getan gewesen dieses Jahr. Gemeinsam mit Roman und Thomas von kaput habe ich diverse journalistische Filmprojekte aufgestellt. Don’t get me started on that – das ist eine andere Geschichte.
Aber das Gespräch mit Ronja vom Plastic Bomb, die auch in dem unheiligen ZAP-Artikel auftaucht, sei hier dennoch als Rausschmeißer angehängt.
„Linus trägt wieder das Selbstgeschnittene spazieren!“ Ja, so ist es.  Hass für Premiere (Schnittprogramm von Adobe) but love fürs Bewegtbild-Game. Außerdem ist jedes Wort von Ronja wahr und relevant.
See you 2022.

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Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop | Aquinostrasse 1 | Zweites Hinterhaus, 50670 Köln | Germany
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Herausgeber & Chefredaktion:
Thomas Venker & Linus Volkmann
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