2022 – the year as heard and seen by the team behind kaput

Marc Wilde empfiehlt u.a. schottischen Whiskey, um 2022 zu ertragen

Er war zweifellos eine unserer produktivsten Content-Manufakturen dieses Kaput-Jahres: Text ist seine Party. So wurden seine Interviews mit zum Beispiel Brausepöter oder auch Peter Hein von den Fehlfarben zu echten Long Reads. Aber genau so etwas wollen wir bei Kaput ja auch anbieten: Herzblut, Kontext und Platz für Pop. Insofern: Danke Marc, dass du dich so reingehangen hast. Und verzeih uns das Foto hier, das aus der Google-Bildersuche stammt – aber irgendwie ist es nicht nur hilarious, sondern einfach auch hot und authentisch.

Endlich mal ein Autor, der auf ein gepflegtes Äußeres Wert legt. Sagt Hallo zu Marc!

Songs

Alex Miksch aus Krems in Österreich hatte ich zum Jahresende eigentlich gar nicht mehr auf dem Zettel. Die Nachricht vom Tod des Komponisten Angelo Badalementi vor ein paar Tagen weckte die Erinnerung an den „König der Kröten“. Ein Song, der einen auf den Spuren der Twin Peaks-Titelmelodie im Empfang nimmt und dann runter in den dunklen Brunnen zieht. Dort, wo eine tiefe Stimme dröhnt, kann man es sich aber tatsächlich gemütlich machen. Trinkempfehlung: Schottischer Highland Whiskey.

01 Alex Miksch “König der Kröten”
02 Thus Owls “I Forget What I Remembered”
03 Silverbacks “A Job Worth Something”
04 Die Arbeit “Probleme”
05 Spoon “Wild”

Platten

01 Die Sauna “In die Nacht Hinein”
02 Voodoo Jürgens “Wie die Nocht noch jung wor”
03 Thirsty Eyes “A Certain Regard”
04 Die Nerven “Die Nerven”
05 Grace Cummings “Storm Queen”

Konzerte

Ganz gegen den Trend war ich in diesem Jahr auf so vielen Konzerten wie noch nie. Ein Abend wird mir in besonderer Erinnerung bleiben. Zum Ende des ersten Festivaltags des Haldern Pop Festivals geben sich, lange geheim gehalten, die Beatsteaks die Ehre. Von der Hauptbühne aus dirigiert Armin Teutoburg-Weiß das Publikum („Wir weihen jetzt den Platz ein“). Von oben staunt der volle Mond. Anschließend, schon weit nach Mitternacht, treiben Dry Cleaning ihr Unwesen an einem anderen Ort des Geländes. Mit monotoner Stimme, Schamanenrassel und einem mit diabolischem Witz agierenden Gitarristen an ihrer Seite, zieht Florence Shaw alle Aufmerksamkeit auf sich. Die Performance-Kombination von überschäumender Liveenergie unterm freien Himmel und angespannter Intensität in der Düsternis des Spiegelzeltes war mein Konzerthighlight des Jahres.

01 Beatsteaks und Dry Cleaning (Haldern Pop Festival)
02 Nick Cave (Köln)
03 Gewalt (Köln)

Wir befinden uns im Jahr 2022. Der Livemarkt in Indiehausen liegt am Boden. Ganz Indiehausen? Nein, ein von unbeugsamen Pfälzern geführter Club namens Schalander hört nicht auf, Widerstand zu leisten und reiht Konzert an Konzert. Zweiundsiebzig an der Zahl, in einem Jahr. Künstler*innen mit klingenden Namen (Bernd Begemann, The Exploited, Slime, Guru Guru) kommen nach Kusel. Einem Ort mit 5.000 Einwohnern, abgelegen in der pfälzischen Provinz. Was ist das Geheimnis, dass so etwas an einem der verstecktesten Ortsränder Indiehausens passiert? In diesem schwierigen Jahr, und obwohl die Nachfrage auch hier mitunter mehr als überschaubar ist. In jedem Fall braucht es die Leidenschaft und Vision von musikverrückten Menschen. Die es aber natürlich auch an vielen anderen Orten des Landes gibt. Das Engagement des Teams Kusel steht daher auch nur stellvertretend für viele weitere Unbeugsame. Für die unermüdlichen Clubbetreiber*innen, Booker*innen, Techniker*innen und Mischer*innen, die sich täglich einbringen und gegen Widerstände kämpfen, getrieben in aller Regel nicht vom Profit (welchen auch?), sondern von ihrer Begeisterung. Dass bei ausbleibenden Besucherzahlen eigentlich für niemanden mehr was übrig bleibt, ein großer Teil an Bands Gefahr läuft, beim Touren drauf zu zahlen und Veranstalter*innen bei schlechten Vorverkaufszahlen das dicke Minus droht, das ist in diesem Jahr deutlich geworden. In den Nischen des Musikmarktes geht anscheinend nichts mehr ohne finanzielle Förderung. Auch in Kusel wäre das alles ohne die Schubkraft der Initiative „Neustart Kultur“ nicht möglich gewesen. Man kann dafür nur dankbar sein, selbst wenn das in der Fläche natürlich nicht reicht und vor allem die Sorge für die Zeit danach dadurch nicht weniger wird. Ob der Ausweg im Grundeinkommen für Musiker liegt, wie Patrick Wagner (Gewalt) meint, da bin ich mir unschlüssig. Gilt das auch für die großen Acts, die es eigentlich gar nicht nötig haben? Unter welchen Voraussetzungen kann der Anspruch auf ein solches Grundeinkommen geltend gemacht werden und wer entscheidet darüber? Bedeutet das nicht auch wieder Bürokratie? Viele Fragen bleiben offen, wenn der Vorhang des Musikjahres 2022 fällt.
Halten wir uns an die Lichtblicke.

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