Alles kaput – ein Ausblick, wo man uns 2026 findet

#prädikatkaput
.
Planungssicherheit ist vermutlich nicht das erste Wort, das Kaput-Leser:innen mit uns verbinden. Und doch ist sie längst eine der zentralen Schaltstellen jeder ernst gemeinten kulturellen Arbeit. Wer heute in (Sub-)Kultur denkt, organisiert und publiziert, muss nicht nur ästhetisch, politisch oder diskursiv on top of the game sein, sondern ebenso tief in Bürokratie- und Biz-Strukturen stecken. Förderlogiken, Abrechnungszyklen, Steuerfragen, Antragsfristen, Absagen nach monatelangem Warten – you name it, we feel it.
.
Gleichzeitig erleben wir seit Jahren eine schleichende, aber konsequente Marginalisierung von Kultur: Budgets werden gekürzt, Räume verschwinden, Arbeitsbedingungen werden prekärer. Kultur wird zum Einsparposten – und nur selten als das verstanden, was sie ist: ein langfristiger, kollektiver Prozess, der Zeit, Vertrauen und Kontinuität braucht. Das Schlimme dabei: Der Kulturbetrieb wirkt oft nicht nur von außen, sondern gleichermaßen von innen angefressen, als hätte jemand Killermotten mit nach Hause gebracht. Oder Bettwanzen – sucht euch aus, was besser passt.Und trotzdem – oder gerade deshalb – wollen wir 2026 bewusst nicht im reinen Krisenmodus beginnen. Denn was weiterhin trägt, sind belastbare Allianzen (um einmal diplomatischen Duktus zu benutzen) mit like-mindedKulturaktivist:innen, Veranstalter:innen, Institutionen und Kollektiven, die Planung nicht – wie wir – als von der Struktur erzwungene Notwendigkeit begreifen, sondern als das, was sie sein sollte: eine respektvolle Geste im kulturellen Dialog miteinander. Denn: Produktive Zusammenarbeit braucht Verlässlichkeit.
In diesem Sinne freuen wir uns, auch 2026 wieder dort präsent zu sein, wo Diskurse entstehen, Reibung erlaubt ist und Pop als ernstzunehmende kulturelle Praxis verhandelt wird – und bereits eine amtliche Liste solcher Orte, Initiativen und Institutionen mit euch teilen zu können (sowie einige Highlights dieser Kollaborationen aus dem Archiv). Wir würden uns freuen, euch in 2026 an diesen kaputten Orten (und hoffentlich noch vielen mehr) zu treffen.
Bis dahin arbeiten wir jetzt erst einmal an der ersten Kaput-Printausgabe weiter, die – passend zur Sommersaison am 1. Mai 2026 erscheinen soll.
![]()
Hartware MedienKunstVerein (HMKV)
Der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) mit Sitz im Dortmunder U zählt zu den zentralen Institutionen für zeitgenössische Medienkunst, digitale Kultur und diskursive Ausstellungsformate in Deutschland. In Ausstellungen, Screenings, Talks und Publikationen verhandelt der HMKV Fragen von Technologie, Politik, Arbeit und Popkultur. Als Schnittstelle zwischen Kunst, Theorie und gesellschaftlicher Gegenwart steht der Ort exemplarisch für eine kritische Kulturpraxis jenseits marktförmiger Verwertungslogiken – und damit gehört das Team des HMKV schon lange zu unseren engsten Kaput-Freund:innen.
Next up: Am 13. März eröffnet die Ausstellung „Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz“.
Zuletzt berichteten wir mit einer Videodokumentation von der Ausstellung „Genossin Sonne (Comrade Sun)“.
c/o pop Festival
15.–19. April 2026
Das c/o pop Festival ist ein klassisches Netzwerk- und Showcase-Festival für Popmusik, Medien und kulturelle Innovation. Mit seinem umfangreichen Programm aus Konzerten und Diskursen bringt es Acts, Branchenakteur:innen und Publikum zusammen. Die c/o pop steht für den Dialog zwischen Szene, Politik und Öffentlichkeit und ist damit ein elementarer Knotenpunkt innerhalb einer fragmentierten Kulturlandschaft.
Wir begleiten die c/o pop seit vielen Jahren. Besonders gerne erinnern wir uns an dieses „Trüffelschwein“-Interview mit den Beatbox Boys Ralph Christoph & Norbert Oberhaus:
Internationale Kurzfilmtage Oberhausen / MuVi
28. April – 3. Mai
Die bereits 1954 gegründeten Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (also im Jahr der zweiten Deutschen Meisterschaft des VfB Stuttgart) gelten als eines der ältesten – wenn nicht das älteste – Kurzfilmfestival der Welt. Der MuVi (Musikvideo-Preis) in Oberhausen, der seit 1999 im Rahmen der Kurzfilmtage verliehen wird, ist der weltweit erste Festivalpreis für Musikvideos. Vergeben werden ein Publikumspreis sowie ein Jurypreis.
Aktuell findet sich auf Kaput ein Aufruf zu Einreichungen für 2026.
Der MuVi-Jahrgang 2025 im Kaput-Überblick.
Moers Festival
21.–25. Mai
Das Moers Festival präsentiert seit mittlerweile 55 Jahren avantgardistische Musik, improvisierte Formen und Grenzgänge zwischen Jazz, Elektronik und Performance. 2018 durften wir mit Kaput eine der beeindruckendsten Performances der Festivalgeschichte miterleben – die Kollaboration von Oxbow mit Peter Brötzmann – und dokumentieren.
Blaues Rauschen Festival
Mai / Juni 2026
Blaues Rauschen ist ein Ort für Gegenwarts-Sound, Performance und diskursive Praxis. Das Festival spannt den Bogen zwischen Klangkunst, Club-Affinität und interdisziplinären Formen. Räume, die oft außerhalb großer Budgets und etablierter Strukturen entstehen, werden hier sichtbar gemacht. Damit steht Blaues Rauschen exemplarisch für kulturelle Produktion unter Bedingungen knapper Ressourcen – und ist ein idealer Partner für Kaput.
Seit vielen Jahren präsentieren wir das Festival nicht nur, sondern unterstützen das BR-Team auch bei der Textproduktion. Ab 2026 werden wir zudem enger über den Verein open systems e.V. zusammenarbeiten. Zuletzt interviewten wir Jessica Ekomane zu ihrem Auftritt beim Blaues Rauschen.
About Pop
12./13. Juni 2026
About Pop bündelt in Konferenzen, Konzerten und Diskursformaten Positionen zur Popkultur: Musik, Politik und digitale Kultur werden hier gemeinsam verhandelt. Das Format ist Treffpunkt für Professionals aus dem Musikbetrieb, kritische Neudenker:innen der Popwelt ebenso wie für Fans. Ein Blick zurück ins Jahr 2023, als wir uns vor Ort in Stuttgart – übrigens dem Geburtsort eines der beiden Kaput-Gründungsväter – mit dem Verschwinden des Pop-Feuilletons auseinandersetzten, unter anderem mit der geschätzten Kollegin Anja Rützel auf dem Panel und dem baden-württembergischen Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Arne Braun, im Publikum:
Primavera Sound
3.–7. Juni 2026
Das Primavera Sound Festival in Barcelona gilt – man kann es nicht anders sagen – als das wichtigste Indie- und genreübergreifende Festival Europas. Mit einem Line-up, das aufstrebende Acts neben etablierten Künstler:innen präsentiert, bleibt es trotz seiner Größe ein Ort für musikalische Entdeckungen. Kaput besucht das Festival seit mehr als 20 Jahren. Dementsprechend lang ist die Liste besonderer Erinnerungen – an die Post-Covid-Edition 2022 kommt allerdings nichts heran:
Avantgarde Festival – Schiphorst
19.–21. Juni 2026
Das Avantgarde Festival in Schiphorst ist ein seit 1996 bestehender Treffpunkt für experimentelle Klangkunst, freie Improvisation und genreübergreifende Musik abseits kommerzieller Festivallogiken. In einem ländlichen Kontext verschränkt es Performances, Partizipation, Workshops und künstlerische Begegnungen in einer kollaborativen, barrierearmen Umgebung.
Roskilde Festival
27. Juni – 4. Juli
Das Roskilde Festival gehört zu den einflussreichsten Musikfestivals Europas und findet nahe Kopenhagen statt. Mehrtägig erwartet das Publikum ein breit gefächertes Line-up zwischen Pop, Indie, Rock und Elektronik; zugleich entstehen selbstorganisierte Strukturen und soziopolitische Diskurse auf dem Gelände. Roskilde ist damit ein kultureller wie sozialer Treffpunkt jenseits bloßer Unterhaltung. Lennart Brauwers berichtete für Kaput erstmals 2025 vom Festival:
Dekmantel
29. Juli – 2. August
Das Dekmantel Festival in Amsterdam ist ein internationales Mekka für elektronische Musik sowie experimentelle Club-, Live- und DJ-Kultur. Über mehrere Tage verwandeln sich der Amsterdamse Bos und diverse innerstädtische Venues in ein weitläufiges Terrain aus Bühnen, Talks und Clubprogrammen. Traditionell treffen hier legendäre Acts auf Newcomer:innen aus House, Techno und avantgardistischen Soundfeldern.
2023 berichtete Felix Nisblé aka Blint für Kaput vom Festival:
Pop-Kultur Festival
24.–29. August
Beim Pop-Kultur Festival in Berlin werden Performances, Installationen, Diskurse und Live-Acts zusammengedacht. Das Festival lädt zur kritischen Auseinandersetzung mit Popmusik, gesellschaftlichen Kontroversen und performativen Ausdrucksformen ein und bietet einen ambitionierten Diskursraum gegen Marginalisierung, für Sichtbarkeit und Austausch jenseits dominanter Kulturökonomien.
2023 sprachen wir im Vorfeld des Festivals für den Kaput-Podcast mit zwei der Kurator:innen: Pamela Owusu-Brenyah und Yeşim Duman:
Reeperbahn Festival
16.–19. September
Beim Reeperbahn Festival, einem der größten Club- und Musikfestivals der Welt, wird St. Pauli für vier Tage zum Konzert- und Diskursspielfeld für internationale Acts und alle, die sich irgendwie ins Musikbusiness einbringen – von Booker:innen über Labelmacher:innen bis hin zu uns Journalist:innen. Panels und Gespräche zu drängenden Branchenthemen wie KI und Künstlerschutz, Geschlechtergerechtigkeit oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind dabei kein Add-on, sondern essenzieller Bestandteil des Festivals. Für Kaput immer eines der Highlights: die VIA-Preisverleihung (Preis der unabhängigen Musikbranche), initiiert vom VUT – Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen e.V. (Thomas Venker sitzt in der Jury für das Album des Jahres).
Im letzten Jahr berichtete Lennart Brauwers aus Hamburg für Kaput:
Making Time
18.–20. September
Die besten Festivals sind jene, bei denen ein lokaler Party- oder Konzertveranstalter es sich zur Herzenssache macht, die Welt in seine Stadt zu holen. Dave P, unter anderem bekannt durch seine monatliche Partyreihe Fixed in New York, stammt aus Philadelphia und lebt noch immer dort. Mit Making Time gibt er der Stadt seit einigen Jahren die Liebe zurück, die er von ihr erfahren hat.
Making Time ist kein normales Festival – es ist ein transzendentes Universum, eine Wirklichkeit jenseits unserer erfahrbaren Welt.
Kaput war zuletzt 2024 in Philly. Das damalige Fazit: das beste Festival der Welt!
Enjoy Jazz Festival
2. Oktober – 7. November
Das Enjoy Jazz Festival bringt Jazz, improvisierte Musik und zeitgenössische Klangexperimente alljährlich im Herbst auf diverse Bühnen im Rhein-Neckar-Delta zwischen Heidelberg und Mannheim. Abseits großer Popfestivals werden hier die Spielräume genreübergreifender Musikpraxis sichtbar. Gerade in Zeiten knapper künstlerischer Ressourcen wird die Bedeutung solcher offenen Räume jenseits gängiger Popmetropolen deutlich.
2025 widmete Thomas Venker dem Enjoy Jazz und dem Jazzfest Berlin einen langen Festival-Doppelbericht.
Jazzfest Berlin
29.10.-1.11.
Das wohl traditionsreichste Jazzfestival der Welt bündelt avantgardistische, improvisierte Musik mit kommunikativen Formaten wie Talks, Workshops und Jam-Sessions. Trotz großer Spielstätten wie dem Berliner Ensemble und Liveübertragungen in der ARD setzt das Jazzfest nicht nur auf sichere „Bänke“, sondern lädt immer wieder auch jüngere und gewagtere Positionen ein – essenziell in einer Kulturlandschaft, in der öffentliches Geld und Aufmerksamkeit knapp sind.
2025 sprach Thomas Venker mit der künstlerischen Leiterin des Jazzfest Berlin, Nadin Deventer:
New Fall Festival
7.–11. Oktober 2026
Das New Fall Festival versteht sich als Plattform für neue, oft genreübergreifende Musikproduktionen. Es fungiert als Treffpunkt für experimentelle Klangästhetiken, urbane Subkulturen und junge Szenen. 2025 berichteten Marisa Eul-Berna und Lennart Brauwers für Kaput vom Festival:
Keine Festivals und keine singulären Happenings – umso zwingender aber hier zu erwähnen sind unsere steady Kaput-Hangouts: das HAU – Hebbel am Ufer Berlin und der Stadtgarten Köln.
Das HAU – Hebbel am Ufer ist eines der bedeutendsten freien Produktionshäuser für Theater, Tanz, Performance, Diskurs und musikalische Experimente in Europa. Als Ort ohne eigenes Ensemble fungiert es als Knotenpunkt für internationale Gastspiele, Kollaborationen und progressive Programme und verbindet künstlerische Innovation mit sozialen Fragestellungen im urbanen Raum. Ganz aktuell haben wir die neue Musikkuratorin Yesim Duman interviewt.
Der Stadtgarten in Köln ist ein unabhängiger Konzertort, Club und Kulturraum mit starkem Fokus auf Jazz, improvisierte Musik, experimentelle Elektronik und genreübergreifende Programme. Neben Konzerten dient der Stadtgarten als Plattform für lokale wie internationale Musiker:innen, kreative Kollaborationen und innovative Projekte zwischen künstlerischer Radikalität und clubkultureller Praxis. Seit vielen Jahren veranstalten wir mit Kaput im Green Room des Stadtgartens über den Sommer verteilt unsere „Talking Kaput“-Reihe. Entsprechend lang ist die Liste der Kaput-Berichte aus dem Stadtgarten – zum Beispiel neulich vom 75. Geburtstag von Fred Frith mit tollen Bildern von Rainer Holz.
Und natürlich findet ihr uns 2026 sehr, sehr oft an unserer eigenen neuen Homebase: Kapute Szene.
Ihr organisiert ein Festival oder ein anderes Event, das ihr als #prädikatkaput empfindet? Schreibt uns. Diese Liste freut sich jederzeit über Zuwachs. Denn Kultur braucht Zusammenschlüsse.







![HAU_kaput_250x850_Sonic-Interventions[1]](https://kaput-mag.com/wp-content/uploads/2015/02/HAU_kaput_250x850_Sonic-Interventions1.gif)
![HAU_kaput_450x320_MoonJar[1]](https://kaput-mag.com/wp-content/uploads/2015/02/HAU_kaput_450x320_MoonJar1.gif)
